Merkur-Kommentar

Abschiebung nach Afghanistan: Im Prinzip richtig

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Die Rückführung muss ein Bestandteil der Willkommenskultur unseres Landes werden - Merkur-Redakteur Christian Deutschländer kommentiert den Streit um Sammelabschiebungen nach Afghanistan. 

Günther Beckstein war als Bayerns Innenminister der allererste, der Kriegsflüchtlinge vom Balkan im Land aufnahm. Er war auch der erste, der sie wieder abschob, als sich die Lage beruhigt hatte. Beckstein war nicht zunächst gut und dann böse – sondern sein Handeln vor anderthalb Jahrzehnten war konsistent. Dass Flüchtlinge in ihre Heimat zurück müssen, sobald das zumutbar ist, ist ein Kernelement der Asylpolitik, nicht ihre abwegige Konterkarierung. Die Rückführung muss ein Bestandteil der Willkommenskultur unseres Landes werden. Nur so können auch die Akzeptanz und die tatkräftige Mithilfe für die Aufnahme vieler Menschen hoch bleiben.

Daran ist zu erinnern, wenn nun über die erste Sammelabschiebung nach Afghanistan gestritten wird. Ja, es ist unglücklich, dieses Prinzip anhand eines Fluges nach Kabul zu diskutieren, in eine Stadt also, in die sich unsere Politiker nur in gepanzerten Kolonnen wagen, wo sie dann mit Helm und Splitterschutzweste posieren. Wo sich die Bundeswehr zurückzieht und mitnichten befriedetes Gebiet hinterlässt. Anders wäre die Situation im Nordirak oder in Pakistan: Da sind Rückführungen zweifellos möglich. Es mag zynisch klingen, ist es aber nicht: Geschundene Länder benötigen die Rückkehr der Flüchtlinge – es sind ja zumeist junge Männer der Mittelschicht –, um den Wiederaufbau zu schaffen.

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