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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Ministerin entschuldigt sich bei der Truppe

Kommentar: Abtreten, Frau von der Leyen!

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München - Ursula von der Leyen rudert nach ihrer massiven Bundeswehrschelte zurück. Die Verteidigungsministerin hat es sich nicht nur mit der Truppe verdorben, auch viele Unionswähler sind empört. Zu Recht, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.  

Der Abgrund an Rechtsextremismus, den manche in der Bundeswehr ausgemacht haben wollen, wird immer tiefer. Von einem „erschreckenden Versagen“ der Geheimdienstaufsicht im Bundeskanzleramt spricht inzwischen die SPD-Generalsekretärin. Geht’s auch eine Nummer kleiner?

Bis jetzt offenbart der Fall des angeblichen Flüchtlings Franco A. vor allem eines: In der Bundeswehr gibt es, wie überall in der Gesellschaft, rechte Spinner. Diese nicht in jedem Fall ausreichend identifiziert und aus dem Verkehr gezogen zu haben, ist ein Versäumnis, das sich die Bundeswehrführung zurechnen lassen muss. Daraus aber ein generelles „Haltungsproblem“ und einen Korpsgeist zu konstruieren, der rechtsextremistisches Gedankengut fördert, ist eine sehr weitgehende Verallgemeinerung, die die (Selbst-)Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besser unterlassen hätte - jedenfalls in der gewählten plakativen öffentlichen Form.Ihre Entschuldigung kommt zu spät.

Die Bundeswehr ist nicht die Wehrmacht. Doch ihr schlägt, vor allem von der politischen Linken, noch immer das alte Misstrauen entgegen. Während in fast allen anderen Ländern die Truppe ein identitätsstiftendes nationales Symbol ist, gehört es zur deutschen Leitkultur, sich an ihr abzuarbeiten. Neu ist nicht die sehr deutsche, gern ins Hysterische abkippende Gründlichkeit der Debatte. Neu ist, dass sich die Oberkommandierende selbst an die Spitze der Ankläger stellt. Die Form der öffentlichen Hinrichtung, die von der Leyen für ihre Kritik gewählt hat, ist nicht förderlich für die Moral einer Truppe, die in Afghanistan und Mali die Knochen hinhält für Einsätze, deren Sinnhaftigkeit nicht jeden überzeugt, die unterfinanziert ist und schlecht ausgerüstet. Im heraufziehenden Wahlkampf schien es der karrierebewussten Ministerin wohl opportun, früh maximale Distanz zu demonstrieren. Jetzt muss sie damit leben, dass die Soldaten ihrerseits auf Distanz zu ihr gehen, ganz abgesehen von der zersetzenden Wirkung, die die Herabwürdigung der Bundeswehr in der konservativen Wählerschaft der Union entfaltet. Für die Zeit nach der Wahl kann sich die Kanzlerin schon mal ein neues Einsatzgebiet für ihre Allzweckwaffe einfallen lassen.

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