Schusswaffen-Interview der AfD-Chefin

Kommentar: Petrys Opfer-Spiel

München - Es ist ein durchschaubares Spiel, das Frauke Petry zu spielen versucht – aber es besteht die Gefahr, dass sie damit durchkommt. Ein Kommentar von Til Huber.

Die Verteidigungslinie nach ihrem Interview-Debakel lautet: Die Medien sind schuld. Ihren Satz, dass die Polizei Flüchtlinge notfalls mit Schüssen an der Grenze stoppen müsse, habe sie so gar nicht sagen wollen. Wie in einem „Verhör“ habe man sie befragt. Der Chefredakteur des „Mannheimer Morgen“ weist das zurück. Jedes Wort sei Petry zur Freigabe vorgelegt worden. Das Problem: Petrys Anhänger werden ihm nicht glauben. Die Verachtung gegenüber der Presse hat in Teilen der AfD ein Ausmaß angenommen, das es der Parteichefin erlauben dürfte, sich auch noch als Opfer zu gerieren. Darauf setzt Petry.

Dabei sollte eines doch selbstverständlich sein: Wenn die Vorsitzende einer Partei – egal welcher – sich einem Interview stellt, dann ist das keine Kuschelveranstaltung. Ziel jedes Journalisten sollte sein, einen Politiker dazu zu bringen, zu sagen, was er tatsächlich denkt – auch wenn er das eigentlich nicht sagen will. Genau das ist hier gelungen. Trotzdem ist es möglich, dass sich nun die eigenen Reihen um Petry schließen. In den Wirren der Flüchtlingskrise lässt sich wohl ein Teil der Wähler selbst von ihren unsäglichen Äußerungen nicht abschrecken. Dem öffentlichen Diskurs sollte Petry sich aber nun nicht durch ein Opfer-Spiel entziehen.

Til Huber

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