Schusswaffen-Interview der AfD-Chefin

Kommentar: Petrys Opfer-Spiel

München - Es ist ein durchschaubares Spiel, das Frauke Petry zu spielen versucht – aber es besteht die Gefahr, dass sie damit durchkommt. Ein Kommentar von Til Huber.

Die Verteidigungslinie nach ihrem Interview-Debakel lautet: Die Medien sind schuld. Ihren Satz, dass die Polizei Flüchtlinge notfalls mit Schüssen an der Grenze stoppen müsse, habe sie so gar nicht sagen wollen. Wie in einem „Verhör“ habe man sie befragt. Der Chefredakteur des „Mannheimer Morgen“ weist das zurück. Jedes Wort sei Petry zur Freigabe vorgelegt worden. Das Problem: Petrys Anhänger werden ihm nicht glauben. Die Verachtung gegenüber der Presse hat in Teilen der AfD ein Ausmaß angenommen, das es der Parteichefin erlauben dürfte, sich auch noch als Opfer zu gerieren. Darauf setzt Petry.

Dabei sollte eines doch selbstverständlich sein: Wenn die Vorsitzende einer Partei – egal welcher – sich einem Interview stellt, dann ist das keine Kuschelveranstaltung. Ziel jedes Journalisten sollte sein, einen Politiker dazu zu bringen, zu sagen, was er tatsächlich denkt – auch wenn er das eigentlich nicht sagen will. Genau das ist hier gelungen. Trotzdem ist es möglich, dass sich nun die eigenen Reihen um Petry schließen. In den Wirren der Flüchtlingskrise lässt sich wohl ein Teil der Wähler selbst von ihren unsäglichen Äußerungen nicht abschrecken. Dem öffentlichen Diskurs sollte Petry sich aber nun nicht durch ein Opfer-Spiel entziehen.

Til Huber

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Spanisches Verfassungsgericht: Gesetz zu Abspaltungs-Referendum endgültig gekippt
Bei einem Referendum stimmten 90 Prozent der Wähler für die Abspaltung Kataloniens von Spanien - die Unabhängigkeit der Region wurde aber noch nicht erklärt. Das zweite …
Spanisches Verfassungsgericht: Gesetz zu Abspaltungs-Referendum endgültig gekippt
Medien: Bombenanschlag auf Polizeifahrzeug in Mersin
Auf ein Fahrzeug der Polizei in der südtürkischen Hafenstadt Mersin ist nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu ein Anschlag verübt worden.
Medien: Bombenanschlag auf Polizeifahrzeug in Mersin
Entsetzen nach Anschlag auf maltesische Journalistin
Feinde hatte Daphne Caruana Galizia viele. Mit unbequemen Enthüllungen machte sie den Mächtigen auf dem Inselstaat Malta das Leben schwer. Jetzt ist sie tot - gestorben …
Entsetzen nach Anschlag auf maltesische Journalistin
Mehr Kinder in Ganztagsschulen - Bald Rechtsanspruch?
Kinderbetreuung auch am Nachmittag: In Ganztagsschulen gehört das dazu. Doch wie viele Kinder besuchen überhaupt eine? Und was würde ein flächendeckender Ausbau kosten? …
Mehr Kinder in Ganztagsschulen - Bald Rechtsanspruch?

Kommentare