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Merkur-Vize-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Die EU und ihr Albtraum-Gipfel

Kommentar: Das geprügelte Europa

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München - Es ist nicht leicht, in dieser Zeit ein stolzer Europäer zu sein. Doch in diesen Krisenzeiten hat Europa längst nicht ausgedient, kommentiert Georg Anastasiadis.

Es stimmt: Europa hat schon bessere Tage erlebt als diesen Albtraum-Gipfelmit seinen Vorhaltungen, Drohungen und Ultimaten. Erst die einsame Entscheidung der Balkan-Länder, alle Flüchtlinge nonstop an Bayerns Grenze durchzuwinken, dann Junckers dumme Drohung mit dem „blauen Brief“ an Wien wegen dessen Grenzschließung, dazu Camerons schrilles Brexit-Geschrei – in der EU liegen die Nerven blank, viel viel mehr noch als in Europas bisher dunkelsten Stunden der Eurokrise. Da ist Angela Merkel noch halbwegs glimpflich davongekommen mit ihrer Fristverlängerung. Jetzt soll also in zwei Wochen mit der Türkei verhandelt werden. Es geht um den Grenz-Deal in der Ägäis, aber – angesichts der Landtagswahl eine Woche später – auch um das Überleben der Kanzlerin.

Wo sind die Vereinten Nationen?

All jene Besserwisser da draußen, die jetzt – wie der UN-Flüchtlingskommissar – mit den verzweifelten Europäern ins Gericht gehen zu können glauben, vergessen aber eines: Europa mag daran zerbrechen – aber es ringt immerhin um Lösungen, um Menschen inmitten des syrischen Mordens zu helfen. Wo aber sind die Vereinten Nationen? Und was tun die vermeintlichen Supermächte USA, Russland und China? Oder die arabischen Brudervölker Saudi-Arabien und Iran? Sie wenden sich ab, oder sie werfen noch mehr Bomben auf die gepeinigten Bürgerkriegsopfer, weil ihnen kleine strategische Geländegewinne wichtiger sind als die bittere Not von Millionen.

Obama, Chef jener USA, die die arabische Welt in Brand steckten, will sich als „moralischer“ Präsident die Finger nicht schmutzig machen. Lieber unterstützt er mit warmen Worten seine Freundin Angela – aber den Mumm, ihr wirklich zu helfen und, gewissermaßen als Wiedergutmachung, syrische Kontingente bei sich aufzunehmen, hat er nicht, von den frommen Republikanern ganz zu schweigen. Und Putin, der Aleppo in Asche legt, lässt sich – auch von seinen deutschen Freunden – feiern als einer, der in Rambo-Manier durchgreift. Das ist obszön. Es ist nicht leicht, in dieser Zeit ein stolzer Europäer zu sein. Aber ohne Europa wäre die Welt ein noch viel trostloserer Ort.

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