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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Als CDU-Chefin wiedergewählt

Kommentar: Angela Merkel einsam an der Spitze

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München - Das war keine Krönungsmesse. Mit zusammengebissenen Zähnen haben die CDU-Delegierten Angela Merkel wieder zur Parteichefin gewählt. Vor der Kanzlerin liegt nun ein heikles Manöver, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Die Gesichter ernst, der Szenenapplaus dünn, das Wiederwahlergebnis nüchtern: Angela Merkel hat schon bessere Parteitage erlebt. Eine kleine Ewigkeit kennt die Partei nun schon ihre Chefin – aber sie hat nie zuvor so sehr mit ihr gefremdelt wie am Dienstag in Essen, der Stadt, wo sie vor 16 Jahren zum ersten Mal zur Königin der CDU gekrönt wurde. Merkel hat die Kühle gespürt. Fast flehentlich klang die Kanzlerin, als sie ihrer Partei den Satz zurief, der ihre Einsamkeit am Beginn des Wahljahres 2017 verriet: „Ihr müsst, ihr müsst mir helfen.“

Die Matriarchin kennt den Preis, den sie ihrer misstrauisch gewordenen Partei dafür zahlen muss. Es ist der Abschied vom „Wir-schaffen-das-Mantra“ und Merkels Anspruch, die Partei wohin auch immer führen zu dürfen, und sei es ins Chaos offener Grenzen. An seine Stelle setzte die Flüchtlings-Kanzlerin a. D. nun ein Versprechen: „Eine Situation wie die des Sommers 2015 kann, soll und darf sich nicht wiederholen.“ 

Willkommenskultur nicht mehr im Leitantrag

Weil sie gebrannte Kinder sind und sich auf vage Zusagen nicht mehr verlassen wollen, haben die Parteifreunde ihre Chefin sorgsam eingehegt. Sie machen die Korrektur von Merkels Flüchtlingspolitik quasi zum zentralen Wahlversprechen für 2017. Im Leitantrag, den Parteivize Thomas Strobl einbrachte, ist nicht mehr von Willkommenskultur die Rede. Sondern von einer drastischen Verschärfung der Abschiebepraxis. Die Kanzlerin selbst erhielt mit den lautesten Beifall, als sie sich für ein Verbot der Vollverschleierung aussprach. Ein Burka-Bann stand nach allem, was man weiß, bisher nicht auf einem vorderen Platz ihrer politischen Wunschliste. Aber dafür auf jener ihres parteiinternen Kritikers Jens Spahn, den viele in der CDU für die große Zukunftshoffnung der Partei halten.

Um die Wahl 2013 für sich zu entscheiden, genügten Merkel drei schlichte Worte: „Sie kennen mich.“ Und 2017? Da will sie gewinnen mit dem Versprechen, nicht mehr die zu sein, die sie 2015 war. Das ist ein heikles Manöver. Aussichtslos ist es angesichts der fragilen Lage in Europa und der Welt aber nicht. Die Kanzlerin wird noch gebraucht.

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