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Merkur-Autor Mike Schier.

Kanzlerin vor der Bundespressekonferenz

Kommentar: Angela Merkel, die Technokratin

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München - In emotional aufgeladenen Zeiten, wirkt Merkels Art ein wenig entrückt. Nach Amok und Terror sagte sie ein wenig zur Sicherheit und macht einfach weiter.

Bill Clinton, Barack Obama und (vor allem!) Michelle Obama – bei den US-Demokraten in Philadelphia konnte die Welt in dieser Woche große politische Rhetorik bewundern. Die Deutschen, mit talentierten Rednern nicht verwöhnt, blicken mit Neid über den großen Teich: Sie leben schon ein Jahrzehnt unter der nüchternen Naturwissenschaftlerin Angela Merkel, die am Donnerstag einmal mehr bewies, dass sie nicht zum emotionalen Auftritt taugt. Der flammende Appell der Kanzlerin an eine verunsicherte Nation, sich von Terroristen und Radikalen nicht auseinanderdividieren zu lassen, blieb aus. Sie sagte ein wenig zur Sicherheit und macht einfach weiter.

Merkel ist und bleibt eine Physikerin, die Problem für Problem analysiert und an Lösungen tüftelt. Schlagzeilen überlässt sie anderen. Deutschland ist mit dieser Regierungsweise seit 2005 insgesamt gut gefahren. Doch jetzt, in emotional aufgeladenen Zeiten, wirkt ihre Art ein wenig entrückt. 

Merkel müsste auf die Aufgeregten eingehen

Eine Bundeskanzlerin sollte zwar nicht in den Chor der Aufgeregten einstimmen, aber sie müsste auf ihn eingehen, sich um die Sorgen ihrer Bürger kümmern. Nun muss das Land bis zur Trauerfeier am kommenden Sonntag in München warten, wo vielleicht die Rede von Bundespräsident Gauck Orientierung gibt. Denn klar ist: Die Spitze des Staates muss endlich klar benennen, dass die Terroristen mit ihrem Ziel, in den offenen Gesellschaften des Westens die radikalen Ränder zu stärken, nicht erfolgreich sein dürfen. Gauck verfügt über das dafür nötige Pathos – während Merkel weiter für den technokratischen Teil zuständig ist.

Auf die Kanzlerin warten äußerst ungemütliche Zeiten, nicht nur weil alle Experten vor weiteren Taten warnen. Auch politisch: Eben schienen sich die Wogen etwas zu glätten – deutlich weniger Flüchtlinge, die AfD völlig zerstritten, der Konflikt mit der CSU fast entschärft. Eigentlich kann sich die Union nicht leisten, den Streit ein gutes Jahr vor der Wahl neu zu beleben. Noch bemüht sich Horst Seehofer um Zurückhaltung. Aber der Unmut an der CSU-Basis über Merkel nimmt wieder zu.

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