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Georg Anastasiadis

Heftiger Streit mit den Konzernchefs

Kommentar: Die Autobauer, der Prügelknabe der Politik

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Wer als Politiker in Deutschland heute fortschrittlich erscheinen will, kühlt sein Mütchen an den Autobauern. Oder fordert wie Markus Söder das Aus für die Verbrenner. Jetzt wackeln zehntausende Stellen. Allein schuld sind die Konzernchefs, behauptet die Politik. Wirklich? Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.  

Auf die Automobilindustrie einzuprügeln, ist eine Art deutscher Volkssport geworden – gerade so, als könne sich die ergrünte Nation damit von ihren Sünden der Vergangenheit reinwaschen. Die Forderung nach einem Verbot des Verbrennungsmotors geht mittlerweile nicht nur Grünen und den Fridays-for-future-Kids flüssig über die Lippen. Auch CSU-Chef Markus Söder, immerhin Ministerpräsident des Autolandes Bayern, outete sich vergangene Woche als Mitglied im Club. Spätestens 2035 soll nach seinem Willen Schluss sein mit den Verbrennern.

Ob Deutschland wirklich das Klima rettet, wenn seine Autos keine fossilen Kraftstoffe mehr verbrennen, sondern mit Strom aus Kohle- und Gaskraftwerken fahren, wird sich zwar erst noch erweisen müssen. Ebenso, ob die Batterietechnik die in sie gesetzten Erwartungen hinsichtlich ihrer Umweltfreundlichkeit erfüllen kann. Aber so ist es eben: Mit ihren Betrügereien haben sich die Autohersteller selbst ins Abseits manövriert. Ihre Lobbyisten stoßen in Berlin heute auf taube Ohren, selbst wenn sie vernünftige Argumente vorbringen.

Richtig ärgerlich aber wird es, wenn die Politik so tut, als hätte sie mit den Arbeitsplatzverlusten nichts zu tun, die sie mit ihren ehrgeizigen CO2-Auflagen und Ausstiegsszenarien für die deutsche Schlüsselindustrie mitverursacht. Armin Laschet, CDU-Ministerpräsident in NRW, wirft dem Autozulieferer Continental wegen dessen Stellenstreichungen „kalten Kapitalismus“ vor. Doch tut Conti nur, was alle in der Branche tun: streichen, kürzen, entlassen, um sich auf eine Zukunft ohne Verbrenner vorzubereiten. Ein E-Auto lässt sich mit bedeutend weniger Arbeitseinsatz herstellen. Ob der Elektroantrieb die Zukunft ist oder ob die Politik die Hersteller planwirtschaftlich in eine nicht wirklich marktreife E-Mobilität drängt, wie der Conti-Chefaufseher klagt, muss sich erst noch zeigen. Aber klar ist schon jetzt: Die Folgen werden im Autoland Deutschland alle gemeinsam tragen müssen. Konzerne. Arbeitnehmer. Und die Politik, die sich jetzt zu gern aus ihrer Verantwortung stehlen würde.

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