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Georg Anastasiadis ist Stellvertretender Chefredakteur des Münchner Merkur.

"Es liegt nicht in unserer Macht"

Kommentar: Die Bankrotterklärung der Kanzlerin

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München - Keine Zahlen, keine Kontrolle, kein nix: Wer vor Merkels großer TV-Beichte keine Angst vor der über uns hereinbrechenden Flüchtlingswelle hatte, der hat sie spätestens jetzt. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Der erschütterndste Satz des Abends war das Eingeständnis der Kanzlerin, es liege „nicht in unserer Macht, wie viele nach Deutschland kommen“. Wie bitte? Die Regierungschefin eines entwickelten Landes erklärt frank und frei, sie habe keine Kontrolle mehr über ihr Staatsgebiet, darüber ob eine Million Flüchtlinge kommen oder drei oder fünf, und strebe die rasche Rückgewinnung dieser Kontrolle im übrigen auch gar nicht an? Das ist die Preisgabe jeder Staatlichkeit. Das ist die Bankrotterklärung einer Kanzlerin, die in ihrem Amtseid geschworen hat, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

Mehr als zum „Plan“ verklärte Worthülsen und Placebos hatte die Wir-schaffen-das-Kanzlerin ihrem aufgewühlten Staatsvolk – ja, so etwas gibt es noch – nicht anzubieten. Sie will die Flüchtlinge europäisch umverteilen. Nach Ungarn zum Beispiel? So schnell kann man gar nicht auf den Selfie-Auslöser drücken, bis alle dorthin entsandten Syrer wieder zurück in Deutschland sind. Mit ihrem französischen Partner Hollande will sie die Sache wuppen: also dem Mann, dessen Land im Jahr so viele Flüchtlinge aufnimmt wie Deutschland in einer Woche? Europas Außengrenzen will sie besser schützen. Mit Hilfe des netten Herrn Erdogan? Wie soll das gehen, wenn sie fast im selben Atemzug schon die deutschen Grenzen für unschützbar erklärt?

Deutschland schafft sich ab, hieß einst ein Buchtitel von Thilo Sarrazin. Der Mann irrte: Merkel schafft Deutschland ab – jedenfalls jenes Deutschland, für das ihre Partei Jahrzehnte lang eintrat. Wenn man sie lässt. Am Mittwochabend hat Merkel ihr Amt so klar wie nie zuvor mit der Fortführung ihrer Willkommenspolitik verknüpft. Die CSU, der sie nicht mal den kleinen Finger reichte, stellt das vor schwierige und weitreichende Entscheidungen.

Georg Anastasiadis

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Georg.Anastasiadis@merkur.de

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