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MM-Redakteur Alexander Weber.

Kritik an Euro-Plänen des Präsidenten

Kommentar: Beinfreiheit für Macron!

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„Frankreich wird in jedem Fall von einer Frau regiert werden, entweder von mir oder von Frau Merkel“, hatte Marine Le Pen im TV-Duell mit Emmanuel Macron vor der Wahl geätzt.

Sollte heißen: Gewinnt Macron, gehen die Franzosen weiterhin am Gängelband Deutschlands und der EU. Ein böses Verdikt – aber leider eines, das von vielen Franzosen am rechten und linken Rand geteilt wird und deshalb diesseits des Rheins in den politischen Köpfen präsent sein sollte. Der junge Präsident Macron hat also eine doppelte Aufgabe, um die er nicht zu beneiden ist: Frankreich im Innern grundlegend zu reformieren und gleichzeitig die Grande Nation vom Image des deutschen Juniorpartners zu befreien.

Kaum sind jedoch die Freudentränen in Berlin und Brüssel darüber getrocknet, dass Europa nach dem Brexit- und Trump-Schock wenigstens der französische Schierlingsbecher erspart blieb, wird bereits aus vollen Rohren gegen Macrons Programm geschossen: Euro-Finanzminister, Eurobonds, Euro-Haushalt? Alles Teufelszeug, hallt es aus Union, FDP und EU-Kommission. Es gibt gute Gründe dafür, allen drei Vorhaben kritisch gegenüberzustehen. Aber wer jetzt nicht bereit ist, dem neuen Mann im Élysée-Palast „Beinfreiheit“ für seine ersten Monate im Amt zu lassen, hat die Botschaft vom Sonntag nicht begriffen: Macron ist nicht nur Frankreichs letzter Damm gegen die Flut des politischen Extremismus. Er ist auch Europas letzte Chance, die Europäische Union zu retten.

Deshalb sind jetzt – aus Eigeninteresse! – Fingerspitzengefühl und Kompromissfähigkeit gefragt. Man müsse, so zitierte Helmut Kohl gerne Kanzler Adenauer, die Trikolore immer drei Mal grüßen. Nicht aus Nachkriegsdemut, sondern um die französische Seele angesichts der deutschen Dominanz in Europa nicht weiter zu drücken. Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie, heißt es. Das gilt für den Neustart in Paris mindestens ebenso.

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