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Unser Autor Lorenz von Stackelberg, Politik-Redakteur des Münchner Merkur.

Litwinenkos Tod von Putin befohlen

Kommentar:  Blick in den russischen Abgrund der Macht

München - Ein britischer Richter benennt Putin klar als Hintermann des Mordfalls Litwinenko. Doch was bedeutet das für die deutschen Beziehungen zum Kreml? Wahrscheinlich nichts, meint unser Autor Lorenz von Stackelberg, Politik-Redakteur des Münchner Merkur.

Die Details des schauerlichen Politkrimis um den radioaktiv vergifteten Kremlkritiker Alexander Litwinenko, dessen mutmaßlicher Mörder unbehelligt als Duma-Abgeordneter agiert, sind seit vielen Jahren bekannt. Ebenso lange wuchern die Spekulationen. Neu ist, dass jetzt ein britischer Richter ganz offiziell den russischen Staatschef Putin als höchsten Hintermann des Mordfalls benennt – und damit seine eigene Regierung unter Zugzwang setzt.

Klare Beweise bleibt der Bericht schuldig, es dominiert das Wort „höchtwahrscheinlich“. Wie auch anders – die Vorstellung, der Staatspräsident der Großmacht Russland ordne höchstpersönlich die Liquidierung missliebiger Personen an und lasse sich erwischen, wäre naiv. Klar ist nur, dass die Handschrift der Täter nicht die von gewöhnlichen Kriminellen ist – der Einsatz der seltenen radioaktiven Substanz Polonium, deren Herstellung einen Atomreaktor erfordert, weist direkt in den Machtapparat. Aber was sollte daraus folgen? Putin wird ungerührt die Pose des Opfers feindseliger Machenschaften weiterpflegen, die er seit Bekannwerden des Falles eingenommen hat. Im Bewusstsein, dass die russisch-britischen Beziehungen nicht auf Dauer vereisen werden, da in Europas Regierungszentralen niemand Lust hat, das durch den Ukraine-Konflikt angespannte Verhältnis zum Kreml noch weiter zu belasten. Schließlich ist Putin im Fall Syrien unverzichtbar.

Was bleibt, ist ein Blick in die Abgründe des russischen Machtsystems mit seinen fließenden Übergängen zwischen Politik, Oligarchie, mafiöser Kriminalität und Geheimdiensten, das auf echte oder vermeintliche Bedrohungen brutal reagiert – ob mit oder ohne Befehle von ganz oben. Alexander Litwinenko, Anna Politkowskaja oder Boris Nemzow werden nicht die letzten Opfer sein.

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