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MM-Redakteur Friedemann Diederichs.

Kommentar

Blutiges Wochenende in den USA: Trump könnte profitieren

München - Mitten im Wahlkampf beleben zwei Bluttaten die erbitterte Debatte um schärfere Waffengesetze. Doch die schützen nur dann, wenn Waffenkäufer streng durchleuchtet werden. Das scheint undenkbar.

Das von Bluttaten überschattete Wochenende in den USA – der öffentliche Mord an einer prominenten Nachwuchssängerin, aber vor allem das Massaker in einem Schwulen-Nachtklub in Orlando mit rund 50 Toten – wird mitten im Wahlkampf wieder die erbitterte Debatte um schärfere Waffengesetze beleben. Die Frage, ob es sich bei dem Massenmord in Orlando, wie es derzeit vermutet wird, um einen Terroranschlag mit islamistischem Hintergrund nach dem Strickmuster der Attacke auf die Bataclan-Konzerthalle in Paris handelt, gibt der Diskussion dabei eine neue Dimension. Vor allem der rechte Polemisierer Donald Trump, der am liebsten alle Muslime an der Einreise hindern möchte, dürfte am Ende perfiderweise von einem solchen Hintergrund des Verbrechens profitieren – obwohl der Täter offenbar seit 1986 in den USA gelebt hat.

Was die Waffenbesitz-Frage angeht, so steht das Land dabei erneut vor einer schier unlösbaren Herausforderung. Schärfere Gesetze schützen nur dann, wenn Waffenkäufer dabei auch so durchleuchtet werden, dass Menschen mit psychologischen Störungen oder radikalem Hintergrund „ausgesiebt“ werden. Das setzt eine strikte Erfassung aller Käufer und extrem aufwändige Hintergrund-Checks beim legalen Erwerb voraus. Doch dafür eine gesetzliche und politische Grundlage zu schaffen, erscheint undenkbar.

Friedemann Diederichs

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