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Redakteurin Corinna Maier

Finanzmärkte in Aufruhr

Brexit-Kommentar: Bitte nach der Scheidung kein Rosenkrieg 

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München - Die Konsequenzen für die Abtrünnigen müssen spürbar sein, aber mit Augenmaß. Denn bestraft werden die Briten ohnehin genug - und an einem Rosenkrieg kann niemandem gelegen sein.

Der Schock hat gesessen. Die Finanzmärkte hatten voll darauf gesetzt, dass die Briten am Ende doch für den Verbleib in der Europäischen Union stimmen würden. Entsprechend dramatisch fielen die Verwerfungen an den internationalen Devisen- und Aktienmärkten aus. Kursreaktionen sind häufig heftig, aber nicht von langer Dauer. Wie schlimm es diesmal kommt, hängt davon ab, wie geschickt jetzt die Verhandlungen zwischen den europäischen Institutionen und Großbritannien geführt werden.

Die Anforderungen an die Diplomatie sind enorm: Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner. Gerade zwischen Bayern und der Insel sind die Bande eng. Der Freihandel, das Herzstück der ursprünglichen europäischen Einigung, möge nicht gefährdet werden, wünschen sich die Unternehmen beiderseits des Ärmelkanals. Andererseits muss es gelingen, dass die Briten nicht für die Euroskeptiker anderer EU- und Euroländer zum Vorbild werden. Das bedeutet: Spürbare Konsequenzen für die Abtrünnigen.

Finanzplatz London wird großer Verlierer sein

Aber bitte mit Augenmaß. Bestraft werden die Briten ohnehin schon genug: EU-Unternehmen werden Investitionen in Großbritannien sehr genau auf den Prüfstand stellen, der Finanzplatz London wird ein großer Verlierer des Brexit sein, EU-Subventionen werden der britischen Landwirtschaft und den strukturschwachen Regionen im Königreich schmerzlich fehlen, das Wirtschaftswachstum wird einbrechen – viele Volkswirte erwarten gar eine schwere Rezession.

Teuer wird die Scheidung für die Briten allemal, an einem Rosenkrieg sollte niemandem gelegen sein. Denn in einer globalisierten Wirtschaft sind weder Europa noch Großbritannien eine Insel.

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