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MM-Redakteur Christian Deutschländer

Merkur-Kommentar

Seehofer und Merkel: Brüchige Annäherung in der Union

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München - Merkels Flüchtlingspolitik, gegen die die CSU tobte, ist inhaltlich entschärft. Doch Merkur-Autor Christian Deutschländer traut dem neuen Burgfrieden in der Union nicht recht.

Horst Seehofer ist ein Instinktpolitiker. Ein Melancholiker ist er nicht. Seine Annäherung an Angela Merkel folgt rationalen, strategischen Erwägungen, so wie der Riesenkrach um die Flüchtlingspolitik zuvor auch. Ja, es ist eine Notwendigkeit, dass sich die Union allmählich wieder auf ihre Gemeinsamkeit besinnt. Dauerkrawall würde sich abnutzen, die CSU will ja nicht als CDU-Tinnitus enden, und eine echte Trennung würde beide Schwesterparteien ins strategische Desaster führen. Der Fokus der Politik hat sich bereits auf den Kampf um die Zukunft Europas verlagert, an Merkel hängt hier viel.

Der Streitgrund war fundamental

Alles klar also? Mitnichten. Die Annäherung ist brüchig, weil der Streitgrund so fundamental war und ist. Merkels Flüchtlingspolitik, gegen die die CSU seit September tobte, ist inhaltlich entschärft, aber mit keinem Wort hat die Kanzlerin das je ausgesprochen. Für den Knick bei den Ankunftszahlen sorgten weder Merkel mit ihren drei oder vier gelangweilten Bundespolizisten an der Grenze noch Seehofer mit seinen Drohungen – sondern die Nachbarn im Süden und auf dem Balkan. In Deutschland ist noch nicht mal absehbar, wie gravierend und in welche Richtung die anfangs unbegrenzte Aufnahme der hunderttausenden Flüchtlinge das Land verändern wird.

Um des Friedens Willen darüber mal temporär hinwegzusehen, verlangt schon arg viel Beweglichkeit. Beeindruckend, dass Seehofer das kann. Seine Parteibasis, viele davon seit Monaten voll Zorn auf die Kanzlerin und ihr Kabinett, wird keinesfalls in diesem Tempo folgen.

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