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Stellvertretender Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

EU-Chef Juncker half deutschen Steuertricksern

Kommentar: Brüsseler Hohn

Stellvertretender Merkur-Chefredakteur zu der Rolle von EU-Chef Claude Juncker im Ermittlungsverfahren gegen das Steuerparadies Luxemburg. 

Schlimm genug, dass man selbst in den feinsten Adressen der deutschen Wirtschaft nicht weiß, wo Sparsamkeit aufhört und Raffgier beginnt: Eon, die Deutsche Bank, Fresenius Medical Care – sie alle waren sich nicht zu schade, in Luxemburg gewagteste juristische Konstruktionen zu riskieren, um in der Heimat den Fiskus zu prellen. In Deutschland Gewinne scheffeln, aber keine Steuern zahlen: Das passt nicht zu den Sonntagsreden der Herren in Nadelstreifen von der Gemeinwohlverpflichtung unserer Konzerne.

Eine blanke Katastrophe aber ist die Mitwirkung des früheren Luxemburger Premiers und neuen EU-Chefs Jean- Claude Juncker an den schmutzigen Geschäften: Just der Politiker, der sich stets als das Gewissen Europas inszenierte, als die moralische Instanz der Gemeinschaft, der Ehrenmann, der Griechenlands und Italiens Steuerflüchtlinge geißelte – ein Schutzherr für Steuerkavaliere? Das raubt das letzte Vertrauen der Bürger in Europas Institutionen.

Wir notieren also: Ein Ex-Banker der Finanzkrake Goldman Sachs lenkt heute unser Geld, und ein Patron der Steuerhinterziehungsindustrie die europäische Politik. Man hätte in beiden Fällen gewarnt sein können. Juncker stand schon lange im trüben Licht von Vorwürfen, das Luxemburger Geschäftsmodell beruhe auf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung für Betrüger in EU-Partnerländern. Unser Europa hat Besseres verdient als Führer von so zweifelhaftem Ruf. Dass Juncker heute als EU-Chef die Missetaten aufklären soll, die er als Luxemburger Premier beging, klingt da wie fernes Brüsseler Hohngelächter. Besser, er hätte sich gar nicht erst zum EU-Chef wählen lassen

Georg Anastasiadis

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