Bald harte Maskenpflicht am Arbeitsplatz?

Kommentar: Bürger sollen die  Corona-Fehler der Politik ausbaden

  • Georg Anastasiadis
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Überall am Arbeitsplatz, in der Schule: Die Regierung erwägt wegen der steigenden Infektionszahlen die Einführung einer harten Maskenpflicht. Die Bürger sollen jetzt den Preis dafür zahlen, dass die Politik, voran Gesundheitsminister Spahn, den Beginn der Reisesaison verpennt und kein funktionierendes Testsystem für Heimkehrer aus Risikogebieten eingeführt hat. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt. Das ist leider nicht zu leugnen, auch wenn viele zusätzliche Ansteckungen nur deshalb festgestellt werden, weil viel mehr getestet wird. Vor allem Heimkehrer aus Risikogebieten bringen das Virus mit zurück. Jetzt rächt sich, dass die Politik, voran  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, schon im Juni die damals nahende Urlaubszeit verpennt und kein Testsystem für heimkehrende Reisende aufgebaut hat – das Testchaos etwa an Bayerns Grenzen wäre vermeidbar gewesen. Auch die Rücknahme der Türkei-Reisewarnung durch die Bundesregierung war einfach nur irre. Schon damals war allgemein bekannt, dass die von der Regierung in Ankara genannten niedrigen Infektionszahlen ein Witz waren. Aber wahrscheinlich drohte Sultan Erdogan der Kanzlerin mal wieder mit einer neuen Flüchtlingswelle, falls Berlin Touristen weiter von Reisen an die türkische Mittelmeerküste abhält. 

Jetzt geht es darum, die richtigen Strategien zu entwickeln. Dazu gehört, Arbeitgeber für die Risiken zu sensibilisieren, die von heimkehrenden Reisenden aus Risikogebieten wie dem Balkan oder der Türkei ausgehen. Menschen, die oft wenig Deutsch sprechen und auch nicht deutsches TV sehen oder Zeitungen lesen, wissen oft nicht, dass es wichtig ist, einen Test (und am 5. Tag am besten noch einen zweiten) zu machen und ein paar Tage in Homeoffice oder Quarantäne zu gehen. Da müssen die Betriebe in die Pflicht genommen werden, da bräuchte es endlich auch eine breit angelegte Informationskampagne seitens der Regierungsverantwortlichen. Die von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer ins Spiel gebrachte Anordnung einer undifferenzierten Maskenpflicht überall am Arbeitsplatz ist dagegen falscher Aktionismus – dafür sind die Arbeitswelten viel zu unterschiedlich.

Ein solch unverhältnismäßiger Eingriff entspräche auch nicht den gerade vom RKI vorgelegten Studienergebnissen, wonach Ansteckungen im Job und in der Schule für das Infektionsgeschehen meist nur eine Nebenrolle spielen. Die meisten Bundesbürger haben die Corona-Regeln stets diszipliniert mitgetragen. Das sollte man nicht durch überzogene Anordnungen gefährden. Die Bürger dürfen jetzt nicht dafür bestraft werden, dass manche Politiker ihre Hausaufgaben vor der Reisezeit nicht gemacht haben. Sonst erfasst die Wutwelle bald auch jene, die bis jetzt klaglos alle Maßnahmen mitgetragen haben.

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