Georg Anastasiadis, stellvertretender Chefredakteur des Münchner Merkur.

Buhrufe für die Kanzlerin

Kommentar: Es wird ungemütlich für Merkel

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München - Die berühmten „Angie, Angie“-Sprechchöre hat die Kanzlerin in Heidenau wohl kaum erwartet. Dass es, wie tags zuvor im Duisburger Problemviertel Marxloh, aber wieder Buhrufe für sie hagelt, dürfte für Angela Merkel eine bittere Erfahrung sein. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Das Land, das die Bundeskanzlerin regiert, hat sich über Nacht verwandelt. Alt- und Neonazis wagen sich wieder aus der Deckung und skandieren, Vizekanzler Gabriel verhöhnend, „Wir sind das Pack“. Doch sie sind nicht das größte Problem. Das viel größere besteht darin, dass auch ein großer Teil der Mitte der Bevölkerung sich von der politischen – und leider auch der medialen! – Elite nicht mehr verstanden fühlt, seit die Flüchtlingswelle über Deutschland schwappt.

Zu Recht hat die Kanzlerin in Heidenau das üble Treiben rechter Krimineller angeprangert. Was viele Bundesbürger aber ebenso oder noch viel mehr umtreibt, ist die (berechtigte) Sorge vor unüberwindbaren Integrationsproblemen, vor wachsenden Parallelgesellschaften und einem Verlust der nationalen Identität in einem Meer von Multikulti. Die richtige Antwort darauf hat die Kanzlerin noch nicht gefunden. Kein Wort dazu, wie sie den Zustrom von Asylsuchenden und Wirtschaftsmigranten kanalisieren und, was die zweite Gruppe anbelangt, eindämmen will. Willkommenskultur ist eine großartige Sache; aber sie braucht flankierend eine Einwanderungskultur, die die Gebote der Humanität, des Arbeitsmarktes und der begrenzten Aufnahmebereitschaft in Übereinklang bringt. Klassische Einwanderungsländer wie Amerika und Kanada haben sie. Deutschland nicht. Hier winkt jedem ein Begrüßungsgeld, der es, ob legal oder illegal, über die offenen Grenzen schafft.

Politik und Medien täuschen sich, wenn sie sich dauerhaft um die Beantwortung solcher Fragen herummogeln zu können glauben und stattdessen auf eine Volks(um)erziehung setzen, derzufolge alles irgendwie „rechts“ ist, was die derzeitigen Dogmen in der Flüchtlingspolitik in Frage stellt. Wenn die Eliten so weitermachen, wird die Flüchtlingswelle den Grundkonsens wegspülen, der Regierung und Regierte – über alle Differenzen in Einzelfragen hinweg – bislang verband. Dann wird es auch in der Musterdemokratie Deutschland ungemütlich.

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