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Das Knirschen in der Union

Kommentar: Bundes-CSU? Lohnt nicht!

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München - Braucht Deutschland eine bundesweite CSU? In Bayern schreien viele danach - doch es wäre das Ende der Alleinstellung der Partei. Ein Kommentar von Christian Deutschländer.

Merkur-Redakteur Christian Deutschländer.

In der Politik sind einfache Lösungen sehr selten. Weil sie in Wahrheit nicht einfach sind; oder keine Lösung. Deshalb ist auch der Ruf nach der bundesweiten Ausdehnung der CSU nicht mehr als eine Parole, an die höchstens noch ein paar Außerbayern glauben. Für die CSU wäre das die politische Selbsttötung. Im Freistaat würde sie durch den Gegen-Einmarsch der CDU auf ewig die absolute Mehrheit verlieren, ihr Alleinstellungsmerkmal. Im restlichen Bundesgebiet zöge sie die üblichen Spinner und Radikalen an sich, die sich bisher bei jeder größeren Parteineugründung einfanden und mühsam aus den neuen Verbänden entfernt werden müssen.

Die Debatte über eine Bundes-CSU lohnt sich nicht, wohl aber der Blick auf ihre Ursachen. In der CSU gibt es eine Gemengelage: Einerseits einen hohen Anteil an Aktiven, die mit Merkels Flüchtlingspolitik gebrochen haben, die für die Kanzlerin kein Wahlplakat mehr kleben werden, nie mehr, und Parteichef Seehofer den Kleisterkübel unsanft vor die Füße stellen würden. Andererseits wird der Anteil derer langsam steigen, die sich dank der entspannten Zahlen mit der Kanzlerin wieder arrangieren oder ihren Kurs schon immer teilten. Das erklärt Seehofers rasche Wechsel zwischen Konfrontation und Annäherung an die CDU. Er muss sich beide Optionen derzeit offen halten. Zu dieser Taktik gehört, als kleine Zugabe, auch seine brutalstmögliche Drohung: nämlich jene, sich selbst auf Listenplatz 1 für Berlin zu setzen.

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