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MM-Redakteur Mike Schier.

Kommentar

Bundesbank fordert Rente mit 69: Heißes Eisen

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München -  Für die Rente mit 69 gäbe es durchaus Argumente. Dass die Kanzlerin sie anpackt, darf trotzdem als ausgeschlossen gelten - gerade in der derzeitigen Situation wäre das politischer Selbstmord. 

Man kann nicht behaupten, Angela Merkel hätte derzeit zu wenige offene Baustellen: Die in den Umfragen schwächelnde Kanzlerin muss in den nächsten Monaten ihre Flüchtlingspolitik vor dem Kollaps bewahren, den Brexit managen, einen Bundespräsidenten finden und – ach ja – dann noch eine Wahl gewinnen. Irgendwann danach steht auf ihrer Agenda auch eine (kleinere) Rentenreform. Vor allem die CSU dringt darauf, die Förderung der Riester-Rente zu verbessern – oder die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus zu stoppen. Beides würde teuer. Doch im Wahlkampf geben die Christsozialen gerne den Anwalt der kleinen Leute. Durchaus zu Merkels Verdruss.

In diese Stimmungslage platzt nun die Bundesbank mit ihrem Vorschlag, ab 2030 die Lebensarbeitszeit der Deutschen weiter bis 69 Jahre zu verlängern. Dafür gäbe es – jetzt laut aufschreien! – durchaus Argumente. Zum Beispiel: Bezog ein Mann im Jahr 1980 im Schnitt elf Jahre Rente, sind es heute schon 17,5. Da sich dieser Trend beschleunigen dürfte, muss sich der Staat mittelfristig etwas einfallen lassen, wie er das Rentensystem in den Jahren ab 2030 finanzieren kann. Schon immer galt: Nach der Reform ist vor der Reform. Gut möglich, dass dann nochmals über die Lebensarbeitszeit gesprochen werden muss.

Doch das ist ferne Zukunftsmusik. Im Jahr 2030 wird Merkel 76 Jahre alt – und vermutlich ihren Ruhestand genießen. Dass sie mehr als ein Jahrzehnt vorher ein derart heißes Eisen anpackt, darf als ausgeschlossen gelten. Die Kanzlerin mag in der Flüchtlingsfrage erstaunliche Standhaftigkeit (ihre Kritiker sagen: Sturheit) beweisen – einen politischen Selbstmord plant sie vermutlich nicht.

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