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MM-Redakteur Mike Schier.

Kommentar von Mike Schier

CDU-Parteitag: Merkel hat sich nur eine Atempause verschafft

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München - Man sollte die Wirkung des Parteitags nicht überhöhen - die meisten Konservativen halten etliche tausend Flüchtlinge pro Tag für nicht verkraftbar, kommentiert Mike Schier. 

Nein, das hatte sich Horst Seehofer anders vorgestellt. Wochenlang war aus der Münchner CSU-Zentrale kolportiert worden, frustrierte CDU-Mitglieder würden ob der flüchtlingsfreundlichen Politik ihrer Vorsitzenden im Franz-Josef-Strauß-Haus um Asyl ersuchen. Manch Christsozialer mag schon davon geträumt haben, der eigene Chef würde in Karlsruhe von der CDU-Basis als Erlöser gefeiert. Stattdessen gab es gestern äußerst dürren Beifall, als Seehofer die Halle betrat. Allein sein Sinn für feine Ironie linderte die feindselige Stimmung. Etwas.

In seiner ganzen Laufbahn habe er keine so freundliche Presse gehabt wie Merkel bei diesem Parteitag, witzelte Seehofer. Dabei erklärt sich der überwältigende Erfolg der Kanzlerin allein aus einer falschen Erwartungshaltung: Merkels Stern sinke, hieß es. Was für ein Irrtum! Weite Teile des Landes wiederholten dabei jenen Uralt-Fehler, der Merkels Karriere seit drei Jahrzehnten erst ermöglicht: Man unterschätzt die Zähigkeit dieser Frau, ihr taktisches Gespür – auch noch nach zehn Jahren im Amt. Die Folge: Am Montag staunte Deutschland mal wieder über die eigene Kanzlerin. Seehofer blieb nur, mit einer guten und konzentrierten Rede zu verhindern, als Verlierer dazustehen. Mehr war nicht drin. Der Dissens aber bleibt.

Deshalb sollte man die Wirkung dieses Parteitags nicht überhöhen. Anders als bei der CSU befinden sich in der CDU unter den 1000 Parteitagsdelegierten hauptsächlich Politprofis, die deutlich strategischer denken als die gemeine Basis. Dort hat sich am Grundproblem nichts geändert: Die meisten Konservativen halten etliche tausend Flüchtlinge pro Tag für nicht verkraftbar. Merkel hat sich also nur eine Atempause verschafft. Letztlich wird sie daran gemessen werden, ob es ihr gelingt, mit ihrem internationalen Ansatz die Zahl dauerhaft zu senken. Skepsis bleibt. Doch nach ihrem macht-taktischen Meisterstück könnte man meinen: Wenn überhaupt jemand diese Herkulesaufgabe vollbringt, dann Merkel.

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