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MM-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Merkur-Kommentar

Kommentar: Wolfgang Bosbach mag nicht mehr - Ein Verlust

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Berlin - Wolfgang Bosbach repräsentiert das bürgerliche Lager wie kaum ein anderer: Dass der CDU-Politiker 2017 nicht mehr für den Bundestag kandidiert, ist Merkels Schuld. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis. 

Wolfgang Bosbach mag nicht mehr, und wer könnte es ihm verdenken. Es ist einsam geworden um den eloquenten Rheinländer. Doch nicht Bosbach hat die CDU verlassen – es ist die Merkel-CDU, die auf ihrem unentwegten Marsch nach Mitte-links Leute wie ihn zurückgelassen hat. Wie das traurige Relikt einer versunken Zeit steht der heute 64-Jährige da, wo früher das starke „bürgerliche Lager“ war, repräsentiert durch Schwergewichte wie Roland Koch und Friedrich Merz.

Es ist keine Sünde, in Zeiten nachlassender ideologischer Prägungen den Versuch zu unternehmen, neue Wählerschichten zu erschließen. Aber es ist eine Dummheit, dabei jene auszugrenzen, die die Gabe hatten, klassische Wähler-Milieus an die Union zu binden. Angela Merkel hätte die Chance gehabt, Bosbach 2005, 2009 oder 2013 als Innenminister in ihr Kabinett zu holen. Sie musste ja nicht selbst die Konservative mimen, die sie nicht ist und nicht sein will. Es hätte gereicht, wenn sie den einen oder anderen Konservativen an ihre Seite geholt hätte – etwa indem sie das für die Union zentrale Thema Sicherheit und Ordnung nicht dem Technokraten Thomas de Maizière überantwortet hätte, sondern dem Charismatiker Bosbach. So wie es einst meisterhaft Helmut Kohl verstand, der die Konservativen mit Manfred Kanther an die CDU band und die Arbeiter mit Norbert Blüm.

Doch Angela Merkel hat ihrem Widerwillen gegen alles Konservative freien Lauf gelassen. Jetzt ist sie es, die im Herbst ihrer Kanzlerschaft allein dasteht, während ihre windschnittige CDU kaum noch weiß, wie sie sich der Angriffe von CSU und AfD in der Flüchtlingspolitik erwehren soll. Wenn nur noch die Grünen und Peter Altmaier Beifall klatschen, ist etwas falsch gelaufen in Merkelland.

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