Links Ministerpräsident Markus Söder und das CSU-Logo, rechts Kommentator Christian Deutschländer.
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Links Ministerpräsident Markus Söder und das CSU-Logo, rechts Kommentator Christian Deutschländer.

Münchner CSU sagt Parteitag ab

Kommentar: Die Politik und die Präsenz - Im digitalen Hinterzimmer

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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(Basis-)Demokratie darf sich nicht nur noch in die virtuelle Welt verkriechen, meint Politik-Redakteur Christian Deutschländer. Die Parteien brauchen hybride Formate und Innovation.

Leider kommen Eingebungen – göttliche oder auch nur irdische aus der Staatskanzlei – oft in letzter Minute. Zu Recht, aber zu spät hat die Münchner CSU deshalb ihren Präsenz-Parteitag abgesagt. Das virologische Risiko schien den Veranstaltern subjektiv begrenzbar; das politische hatten sie unterschätzt. Die Lockdown-müde Bevölkerung stutzt, wenn Parteien für ihre Treffen geltende Sonderrechte nutzen. Zwei Ehepaare dürfen sich nicht draußen sehen, aber 90 Delegierte im Saal? Das ist schräg.

Die vorgezogene Wahl auf dem Münchner Parteitag war verzichtbar. Schwieriger werden die Abwägungen, die jetzt auf alle Parteien zurollen: In Kürze müssen die Kandidaten für den Bundestag gewählt werden. Berechtigte Sorgen prallen aufeinander: (Basis-)Demokratie darf sich nicht nur noch in die virtuelle Welt verkriechen.

Sobald Posten und Mandate vergeben werden, verändert sich das Wahlverhalten

Auch der Chatroom ist ein Hinterzimmer. Sobald Posten und Mandate vergeben werden, verändert sich das Wahlverhalten natürlich, wenn sich Kandidaten nicht mehr real vorstellen können und rein digital abgestimmt wird. Das wirkt sich stärker aus als jedes 20-minütige Schwafel-Grußwort. Die Parteien werden Mut brauchen: draußen tagen, hybride Formate, Innovation. Das ist mühsam, ja – aber versehentlich eine Corona-Infektionskette in Gang zu setzen, wäre politisch ein unverzeihlicher Fehler.

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