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Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg

Ohne Illusionen

Kommentar: Deutsche Tornados nach Syrien? - alternativlos

München - Die Bundeswehr schickt die Marine und einige Tornados, um Frankreich beim Kampf gegen den sogenannten IS zu unterstützten. Eine andere Entscheidung kam nicht in Frage, findet Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg.

Wer der Bundesregierung angesichts der geplanten Bundeswehrmission gegen den IS in Syrien jetzt vorwirft, sie verwickle die Deutschen ohne Not in einen Krieg, der sie nichts anginge, übersieht zum einen, dass Syrien ein Problem der Europäer ist – nicht nur wegen der Flüchtlingsströme. Und er ignoriert zum anderen, dass Angela Merkel nichts anderes übrigblieb, als den schwer getroffenen Franzosen beizuspringen. Eine kühle Absage an die Adresse des engsten EU-Partners? Unmöglich.

Angesichts deutscher Ausbilder und Waffen für die kurdischen Peschmerga-Kämpfer braucht man sich auch nicht allzu lange mit dem Gedanken aufzuhalten, ob Deutschland sich nun mutwillig ins Visier des Killer-Kalifats begibt. Die grenzenlose Reisetätigkeit fanatischer Extremisten belegt, dass die Terror-Gefahr hierzulande schon bislang nicht wesentlich geringer war als in Paris.

Leider wird der neue Waffenbruder Deutschland die Erfolgsaussichten der Anti-IS-Koalition nicht wesentlich steigern können – aller Aufklärungstechnik der „Recce“-Tornados zum Trotz. Zum einen ist schon mehr als genug Militärgerät in, um und über Syrien im Einsatz; zu welchen Risiken das führt, zeigt der türkisch-russische Zwischenfall. Zum anderen verfolgen die einzelnen Akteure derart unterschiedliche Ziele, dass ein wie auch immer geartetes Ende des Mordens nicht abzusehen ist.

Solange Moskau das Assad-Regime als „legitime Regierung“ betrachtet, obwohl der Diktator Ausgangspunkt und Katalysator des Bürgerkriegs ist, wird sich der IS weder innerhalb des syrischen Widerstands isolieren noch vernichtend schlagen lassen. Wenn überhaupt könnte das, da sind sich die Experten einig, nur am Boden geschehen. Und wer diesen Part übernehmen soll, steht angesichts des chaotischen Kriegsgeschehens in den Sternen. Insofern begleitet man die deutsche Syrien-Mission gewissermaßen mit zusammengebissenen Zähnen – und ohne Illusionen.

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