EZB robbt sich in Richtung Zinswende

Kommentar: Draghi im Kriechgang

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Der Schrecken hat noch kein Ende. Aber Europas Sparer sehen nach der jüngsten Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi Licht am Ende des Tunnels. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Die leidgeprüften Sparer in der Eurozone haben noch ein langes Tal der Tränen zu durchschreiten. Einen ersten Hoffnungsschimmer aber gibt es jetzt endlich: Erstmals seit Jahren drohte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, den Geldanlegern am Donnerstag nicht mehr mit noch tieferen Zinsen, um sie mit Gewalt dazu zu bringen, ihr Geld auszugeben. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied zu den bisherigen Verlautbarungen der EZB. In Kombination mit der jüngst beschlossenen Reduzierung der Anleiheankäufe durch die Notenbank soll das den Märkten signalisieren: Die Zinswende ist noch nicht richtig da. Aber sie rückt näher.

Angesichts der deutlich verbesserten konjunkturellen Lage in Europa und der anspringenden Inflation ist das eine überfällige Anpassung an die neuen Realitäten. Ein stärkeres Signal wäre möglich und auch richtig gewesen. Doch hat Draghi die ultralockere Geldpolitik zu seinem Markenzeichen gemacht, und von ihr lassen mag er nicht. Europas Notenbank robbt sich im Kriechgang aus dem Krisenmodus. Erst im Oktober 2019 läuft Draghis Vertrag als Chef der EZB aus. Folgt ihm dann der bisherige Bundesbankchef Jens Weidmann? Er wäre gewissermaßen die Wette darauf, dass Europa die Zeit der Strafzinsen endlich hinter sich lässt. Nur durchsetzen muss ihn die Kanzlerin noch. Auf die Gegenleistungen, die Italiener und Franzosen dafür einfordern, darf man allerdings gespannt sein.

Rubriklistenbild: © AFP

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