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Der stellvertretende Chefredakteur des Münchner Merkur, Georg Anastasiadis.

Eine Tragödie

Kommentar: Drama am Brenner - Österreich führt Grenze wieder ein

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München - Europa stirbt wieder ein Stückchen. Österreich lässt die Grenzer aufmarschieren, Italien winkt durch. In der Not ist sich jeder selbst der nächste, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Und wieder stirbt ein Stück Europa. Österreichs Entscheidung, am Brenner wieder Grenzer aufmarschieren zu lassen, ist eine Tragödie – und zwar nicht nur für Reisende und Spediteure. Der Brenner, im ersten Weltkrieg blutig umkämpft, war jahrzehntelang die europäische Grenze und seit 1995 das Symbol für ein zusammenwachsendes Europa. Und doch kann sich die EU-Kommission ihre bitteren Vorwürfe an die Regierung in Wien sparen. Denn es war Brüssels jahrelanges Wegschauen in der sich anbahnenden Flüchtlingskrise, das jetzt keine andere Wahl mehr lässt als die Wiedereinführung der Schlagbäume.

Österreich schützt sich – und das sich wieder mal unbeteiligt gebende Merkel-Deutschland – damit gegen die absehbare Völkerwanderung, die nun nicht mehr über die Balkanroute nach Zentraleuropa drängt, sondern über Libyen und Italien. In der Not ist sich in Europa eben doch jeder selbst der nächste. Das hielten bisher auch die Italiener selbst so, die darauf vertrauten, dass die im Land eintreffenden Flüchtlinge zügig Richtung Deutschland weiterreisten. Wer Wien als „uneuropäisch“ geißelt, sollte zur Kenntnis nehmen, dass der römische Automatismus des Durchwinkens auch kein Akt europäischer Solidarität war.

Diese wiederherzustellen wird nicht auf Brüsseler Art gelingen, indem alle in Europa ankommenden Migranten einfach großflächig verteilt werden. Europäische Solidarität bedeutet jetzt: gegenseitiger Beistand beim Ausbau der ungeliebten Festung Europa. Das spanische Modell, nach dem Flüchtlinge aus dem Meer gerettet, aber danach zurück in ihre Herkunftsländer geschickt werden, mag vielen hartherzig erscheinen. Aber es ist das Modell, das – mit dem Segen der Kanzlerin – nun auch an der griechisch-türkischen Seegrenze zum Einsatz kommt. Und bald auch in Italiens „mare nostrum“. Bis die EU-Außengrenze steht, müssen wir uns damit abfinden, dass die Kontrolle darüber, wer im europäischen Haus ein- und ausgeht, in Idomeni verteidigt wird. Und am Brenner.

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