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Georg Anastasiadis

Alle Grenzen auf – nur nicht nach Italien

Kommentar: Ein unfreundlicherAkt aus Wien

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Österreich öffnet seine Grenzen zu allen seinen Nachbarländern. Nur nicht nach Italien. Ob das wirklich nur die von Wien ins Feld geführten gesundheitspolitischen Gründe hat, darf bezweifelt werden. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

In Wien lässt man im Corona-Jahr wenig Gelegenheiten aus, sich mit der linken Regierung in Rom anzulegen: Erst ließ der konservative Kanzler Kurz ohne Vorwarnung die Grenze zu Italien abriegeln, dann machte er sich selbst zum Sprachrohr der „sparsamen Vier“ gegen römische Finanzwünsche, und jetzt öffnet er alle Grenzen zu Österreichs Nachbarländern – nur nicht die zu Italien.

Die Begründung klingt ein wenig fadenscheinig: Südlich des Brenners gebe es noch zu viele neue Corona-Infektionsfälle. Wirklich? Tatsächlich zählt das zu Beginn der Epidemie brutal betroffene Italien nach dem europaweit härtesten Lockdown mittlerweile nicht  mehr Neuinfektionen als Deutschland. Deutsche aber sind im Tourismusland Österreich wieder herzlich willkommen, und das entgegen früheren Verlautbarungen sogar ab sofort. Offenbar hat der in Europa über Nacht in Gang gekommene kuriose Wettlauf um zahlungskräftige Urlauber auch im Wiener Kanzleramt hektische Betriebsamkeit ausgelöst.

Es fällt schwer, in der Entscheidung, dass Österreicher jetzt wieder ungehindert überall hin reisen können, nur nicht ins benachbarte Südtirol, etwas anderes zu sehen als einen unfreundlichen Akt gegenüber dem südlichen Nachbarn, dem man die Touristen wegschnappen will. Für ein Land, das selbst mit Ischgl den Corona-Skandal schlechthin zu verantworten hat, ist das nicht die feine Art. Solche Egoismen tun dem durch die Coronakrise verwundeten Europa nicht gut. Immerhin: Bayerischen Durchreisenden, die es nach Bozen oder an den Gardasee zieht, gestatten österreichische Grenzer den Transit. Aber nur zähneknirschend, wie man vermuten darf.

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