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Merkur-Redakteur Mike Schier.

Kommentar

Eklat bei Gabriel-Reise nach Israel: Redet miteinander!

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Israels Ministerpräsident ließ sein Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel platzen - weil er verärgert war. Nicht miteinander zu reden, ist aber keine Lösung. Ein Kommentar.

Das dürfte sich Sigmar Gabriel ganz anders vorgestellt haben. Die Reise nach Israel zum nationalen Holocaust-Gedenktag des Landes war für den neuen Außenminister ein sehr persönlicher Antrittsbesuch. Jenseits des historisch beladenen Verhältnisses der beiden Länder hat Gabriel ein schwieriges Stück Familiengeschichte im Gepäck, schließlich litt er lange unter seinem Vater, der bis zum Schluss überzeugter Nazi und Auschwitz-Leugner war.

Umso härter dürfte Gabriel der Eklat treffen, mit dem Benjamin Netanjahu das deutsch-israelische Verhältnis unnötig belastet. Es muss dem Ministerpräsidenten nicht gefallen, wenn sich sein Gast mit linken und äußerst kritischen Geistern zum Gespräch trifft. Er kann sein Missfallen artikulieren. Doch in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit erteilt man keine Gesprächsverbote. Erst recht nicht diplomatischen Gästen. Insofern war es richtig von Gabriel, trotz der Drohung an seinem Terminplan festzuhalten. (SPD oder Grüne sollten sich diese Haltung aber merken, wenn die CSU sich demnächst mit umstrittenen Staatschefs wie Viktor Orbán trifft.)

Netanjahu handelt aus innenpolitischem Interesse

Ja, Israel befindet sich in einer geopolitisch schwierigen Position, die einen anderen Umgang mit Sicherheit verlangt. Und ja, deutsche Positionen bleiben historisch heikel. Umso bedauerlicher mutet es deshalb an, wenn Netanjahu aus innenpolitischem Interesse einen solchen Eklat herbeiführt. Er steht für einen neuen Ton in der internationalen Politik, wie er schon von Putin, Orban, Erdogan oder Trump angeschlagen wird. Eine bedenkliche Entwicklung, die weiter um sich greift. Jetzt auch in die Vorbild-Demokratie im Nahen Osten, die eigentlich leuchtendes Beispiel für ihre Nachbarn sein sollte.

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