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Erdogan und Putin: Allianz der Autokraten

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München - Wenn sich heute in Petersburg die Präsidenten der Türkei und Russlands vor zaristischer Prachtkulisse beim Versöhnungs-Tête à tête umarmen, treffen zwei Brüder im Geiste aufeinander. Ein Kommentar von Alexander Weber.

Beide, Erdogan wie Putin, halten viel von einer Demokratie, deren Freiheit und Meinungsvielfalt sich in breitgefächerter Lobpreisung des Staatsoberhauptes manifestiert, brandmarken oppositionelles Denken bevorzugt als terroristisch und halten das Volk gern mit markigen Auftritten und nationalistischem Pathos bei Laune.

Und beide haben ein gemeinsames Interesse: Aus vermeintlicher Enttäuschung über den Westen neue geostrategische Optionen zu prüfen, wirtschaftliche Kooperationen zu beiderseitigem Vorteil anzustreben und gemeinsame Konfliktfelder – vor allem Syrien – nicht wieder eskalieren zu lassen. Putins Vision einer eurasischen Union von der Beringstraße bis zum Schwarzen Meer würde der Mittelmeer-Anrainer Türkei als Eckstein hervorragend ergänzen. Und Erdogan braucht Russland in den Nach-Putsch-Wirren dringend als Energielieferant, Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte und Heimat vieler Türkei-Touristen, um die außer Tritt geratene Wirtschaft wieder nach oben zu bringen.

Das alles muss dem Westen noch nicht den Schlaf rauben. Aber insbesondere die EU sollte in der aktuell hochexplosiven Situation die Allianz der Autokraten nicht noch durch voreilige Symbolhandlungen verfestigen.

Rubriklistenbild: © Schlaf Marcus

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