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tz-Politikredakteur Klaus Rimpel.

Trump und Putin - was sind die Folgen?

Kommentar: Es droht eine Außenpolitik der Hormone

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München - tz-Politikredakteur Klaus Rimpel schreibt in seinem Kommentar über die künftigen Beziehungen zwischen Russland und den USA - und den Auswirkungen auf Europa.

Da mögen wir in Deutschland noch so sehr hadern mit diesem US-Wahlergebnis: Donald Trumps Sieg wurde demokratisch errungen und ist nun eine Tatsache, mit der wir leben müssen. So unklar die außenpolitische Linie Trumps in dessen Wahlkampf auch geblieben ist: Wir Europäer müssen uns darauf einstellen, dass sich die USA von der Rolle als „Weltpolizist“ weiter verabschieden. Die Trump-Devise „Amerika zuerst“ bedeutet: mehr Isolationismus der Supermacht.

Schon bitter: US-Präsident George W. Bush hat mit seinem auf Lügen aufgebauten Irak-Krieg den Nahen Osten in Flammen gesetzt. Die Folgen dieser US-Politik – in Syrien, in Libyen, im Irak – sollen wir Europäer nun alleine auslöffeln. Bei den weltweiten Flüchtlingsströmen hatte sich Washington ja schon vorher ausgeklinkt – nun werden wohl auch noch erhöhte Militärausgaben auf uns zukommen. Das alles ist nicht schön, aber es birgt die Chance in sich, dass Trumps Politik Europa stärker zusammenschweißt. Falls der künftige US-Präsident wirklich mit Putin kungeln sollte, dann bleibt Polen und den Balten nur die EU als Schutzmacht.

Aber Putin mag sich vielleicht darüber freuen, dass ein US-Präsident Trump die Nato destabilisiert: Ein verlässlicher Partner für Moskau wird er sicher nicht werden. Das zeigt schon das Verhältnis zu einem anderen mächtigen Egomanen: dem türkischen Präsidenten Erdogan. Dessen Verhältnis zu Putin wechselte vom Freund zum Erzfeind und wieder zurück. Auch Trump und Putin werden schnell zusammenrauschen, wenn einer der beiden keinen Vorteil für sich mehr in der Männerfreundschaft sieht. Internationale Politik sollte auf Verträgen und Sachlichkeit aufbauen – nicht auf dem aktuellen Hormonspiegel-Stand von Alphatieren.

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