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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Verwunderung in der arabischen Welt

Kommentar: Europa kontrolliert Moscheen zu lax

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In den Vereinigten Arabischen Emiraten wundert man sich über Europas Leichtsinn im Umgang mit muslimischen Hasspredigern. Auf Angebote zur Ausbildung gemäßigter Imame seien die Regierungen der EU nicht eingegangen. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

Staatliche Genehmigung für Moscheen? Öffentliche Kontrolle bei der Auswahl der Prediger? Manches von dem, was da aus dem Morgenland an Ratschlägen für den Umgang mit den Islam kommt, klingt für die Demokratien des Westens gewöhnungsbedürftig, ja verstörend. Doch sollten sich die Politiker des Abendlandes vor allzu herablassenden Belehrungen in Sachen Religionsfreiheit sehr hüten. Dort, wo der Islam seit langem herrscht, kennen die Menschen diese Religion – und auch ihre Missbrauchsanfälligkeit durch Fanatiker – besser als in Europa, wo fundamentalistische Koranauslegungen und Dschihadismus ein vergleichsweise junges und politisch bisher noch viel zu wenig durchdrungenes Problem darstellen.

Fakt ist: Viele der Terroranschläge, von denen Europa zuletzt heimgesucht wurde, darunter auch das Berliner Weihnachtsattentat, gehen auf das Konto von Wirrköpfen, die sich im Umfeld bestimmter Moscheen radikalisierten. Darauf muss der Schutzstaat eine Antwort erst noch finden. Und diese kann nicht länger darin bestehen, mit Blick auf einen absolut gesetzten Toleranzgedanken einfach wegzusehen, wenn in manchen „Gotteshäusern“ in der Mitte unserer Städte Hass gepredigt wird. Die Religionsfreiheit zu achten gebietet auch, die vielen Friedfertigen vor der Vereinnahmung durch wenige Hassprediger zu bewahren.

Eine verbindliche, von oben durchgesetzte Glaubenslehre wie etwa in der katholischen Kirche kennt der Islam nicht. Den Staat als Hüter der verfassungsmäßigen Ordnung zwingt das, über die Imamausbildung nachzudenken. Denn auch die liberalste Gesellschaft kann es nicht dulden, wenn Prediger im Namen Gottes zu Taten aufrufen, die das friedliche Zusammenleben der Bürger gefährden.

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