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Georg Anastasiadis

Der betrogene Wahlsieger

Kommentar: Falsches Spiel mit Weber

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Der Brüsseler Posten-Poker kennt viele Verlierer, aber keiner wurde so gedemütigt wie Manfred Weber. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Dass die CSU-Oberen das noch mal erleben durften: über 40 Prozent am Abend der Europawahl! Die Freude kannte keine Grenzen. Der Dank schon. Man kann nicht behaupten, dass sich die Kanzlerin und CSU-Chef Markus Söder in Brüssel für den Wahlsieger Manfred Weber verkämpft hätten. Im Gegenteil: Als der Franzose Macron den Daumen senkte und Angela Merkel kaum Gegenwehr erkennen ließ, war es auch mit der Unterstützung aus München für den bayerischen Kandidaten nicht mehr weit her.

Kein Wunder: Als EU-Kommissionschef wäre Weber für die CSU womöglich bald zur Belastung geworden – seit jeher hat es in der weiß-blauen Unionsschwester Tradition, sich als Sachwalterin bayerischer Interessen gegen die Eurokraten in Brüssel zu inszenieren. Als mächtiger Chef Europas wäre Weber zudem mehr oder weniger auf Augenhöhe mit dem Münchner Regenten Söder gewesen – und somit der einzige, der dessen Kreise in der CSU hätte stören können. Schließlich galt der Niederbayer Weber schon vor Söders Wahl zum CSU-Chef als dessen einziger denkbarer Rivale.

Jetzt wird der demokratische Wahlsieger Weber in Europa durchgereicht. Wie wäre es, wenn man, der Einfachkeit halber, nächstes Mal auf die mühselige Befragung der Wähler verzichtete und stattdessen gleich Macron fragte?

Ursula von der Leyen. Auf diese Idee musste man erst einmal kommen, findet Merkur-Kommentator Mike Schier.

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