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Lorenz von Stackelberg

Nach Terror in Paris

Kommentar: Frankreichs Bitte wird zu Putins Nagelprobe

Frankreich hat bei den EU-Partnern offiziell militärischen Beistand angefordert. Doch was bedeutet das für Deutschland, für Europa - und für Wladimir Putin? Ein Kommentar.

Die Bitte um militärische Unterstützung durch die EU-Partner aus Paris bedeutet keineswegs, dass die Bundeswehr schon bald in Syrien Seite an Seite mit Frankreich gegen den IS zu Felde ziehen soll. Zum einen leistet Deutschland bereits seinen Beitrag durch Ausbildung und Bewaffnung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer, zum anderen denkt Präsident Hollande eher an Entlastung an anderer Stelle, etwa in Mali, wo Frankreich gegen militante Islamisten vorgeht. Die Logik ist auf seiner Seite: In der Tat war es schon bisher schwer zu begründen, dass andere EU-Länder sich heraushalten, wenn Paris in Afrika europäische Sicherheitsinteressen verteidigt. 

In Syrien könnten ein paar Kampfjets mehr oder weniger ohnehin nichts bewirken, solange die militärische Lage zwischen IS, Rebellengruppen, Assad-Truppen, Russen, Amerikanern und Franzosen so unübersichtlich bleibt wie sie ist – dem überraschenden gemeinsamen russisch-französischen Einsatz zum Trotz. Er ändert nichts an der Erkenntnis, dass dem IS nur am Boden beizukommen ist. 

Interventionen sind seit dem fatalen Irak-Feldzug der USA, die nach Saddams Sturz von Fehler zu Fehler stolperten und ein Machtvakuum hinterließen, in das Extremisten strömten, verständlicherweise in der westlichen Öffentlichkeit diskreditiert. Und dennoch: Wenn man nicht warten will, bis es allen sich benachteiligt fühlenden Muslimen in Europa so gut geht, dass sie taub gegenüber den Verlockungen des IS werden, wird man über eine europäisch-amerikanische Militärstrategie jenseits von Luftschlägen gegen das Killer-Kalifat nachdenken müssen. 

Sie wäre allerdings von vorneherein zum Scheitern verurteilt, würden in Syrien – die wichtigste Lehre aus dem Irakkrieg – keine stabilen Machtstrukturen geschaffen. Die wiederum werden aber nicht entstehen, solange sich die nationalen Kräfte zwischen dem IS und Diktator Assad aufreiben. Und der verfügt über einen mächtigen Schutzherrn – den selbsternannten Weltpolitiker Putin, für den Syrien zur Nagelprobe wird.

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