Unser Autor Werner Menner.

Festklammern an jedem Strohhalm

Kommentar zum Friedensplan: Libyen ist zerrissen

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München - Die Konfliktparteien in Libyen klammern sich an den Friedensplan, wie an einen Strohhalm, meint unser Autor. Dabei ist es nur einen Frage der Zeit bis dieser Plan blutig zu Grabe getragen wird.

Es scheint zum Schicksal der arabisch-islamischen Welt zu gehören, dass demokratische Tendenzen im Ausland bejubelt und innerhalb der eigenen Grenzen nach kurzer Zeit wieder blutig zu Grabe getragen werden. Der Verlauf des „Arabischen Frühlings“ lehrt es. Libyen wird es schwer haben, diesen Bann zu durchbrechen. Tunesien scheint eine Ausnahme zu machen, aber auch hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.

Man klammert sich an Strohhalme – vor allem im nahen und von Flüchlingen überschwemmten Europa. Auch in puncto Libyen, wo die Konfliktparteien einen Friedensplan unterzeichnet haben. Dieser weckt Hoffnungen für ein seit Jahren im Chaos versinkendes Land. Ob sie erfüllt werden können, ist (leider) fraglich. Die miteinander konkurrierenden Regierungen werden nur dann einlenken, wenn sie sich im Vorteil sehen. Ebenso die bis aufs Blut untereinander zerstrittenen Stämme. Das hat Tradition.

Der Sturz des Diktators Gaddafi hat alle Dämme gebrochen, das Land zerrissen und es zu einem offenen Feld für Terroristen gemacht. Auch für den IS, der nach Libyens Öl giert und die Chance auf ein zweites Kalifat sieht. Der Friedensvertrag markiert einen wichtigen Schritt, aber noch ist er nur ein Stück Papier. Seine Umsetzung wird sehr viel härter werden als der steinige Weg zur Unterzeichnung.

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