Kritik an der Kanzlerin

Kommentar: Gabriel und Merkel - wer unterschätzt was?

München -  Unterschätzt und sogar grob falsch eingeschätzt wurde in der Flüchtlingskrise eine ganze Menge, aber sicher nicht allein von Merkel. Ein Kommentar von Christian Deutschländer zu Sigmar Gabriels Kritik an der Kanzlerin.

Die Attacke auf die Kanzlerin enthält eine kuriose Note: „Unterschätzt“ habe die Union die Flüchtlingskrise, beklagt sich SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der Vizekanzler. Der Chef der Partei, die den Außenminister stellt. Jener Gabriel, der die verhängnisvolle Ungarn-Entscheidung vor einem Jahr entschlossen mittrug. Ja, unterschätzt und sogar grob falsch eingeschätzt wurde da eine ganze Menge, aber sicher nicht allein von Merkel.

Gabriels Angriff liegen innerparteiliche Motive zu Grunde. Es ist der Versuch, kurz vor den Landtagswahlen im Nordosten stärker Wähler an die SPD zu binden, die die Flüchtlingspolitik kritisch sehen. Mitnichten ist die SPD eine Partei der Sozialromantiker, die sich jede Zuwanderung rosig ausmalen würden. Sie ist vielmehr, gerade außerhalb Bayerns, eine Partei der „kleinen Leut’“. Darunter sind viele, die in der Flüchtlingshilfe bewundernswert anpackten. Aber auch sehr viele, die sich – manche akut, manche abstrakt – Sorgen machen über ein drohendes Konkurrenzverhältnis mit den Zuwanderern um Wohnraum, Arbeit und manchmal auch Transfergelder; Sorgen auch über den sich verändernden Alltag im Land, wenn Integration nicht gelingt. Dass sich Gabriel an sie wendet, ist nachvollziehbar – kommt aber sehr spät. Vielleicht hat er da was unterschätzt.

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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