Bundestag winkt Seehofers Maut durch

Kommentar: Die Gartenzwerg-CSU

München/Berlin - Der Bundestag hat Horst Seehofers Maut durchgewinkt. Lesen Sie hier einen Kommentar von Georg Anastasiadis, dem stellvertretenden Chefredakteur des Münchner Merkur.

Die Ausländermaut, sie musste einfach kommen. Nicht weil sie nennenswert Geld einbringt. Das tut sie nicht. Nicht weil sie den Verkehr vernünftig lenkt. Das tut sie auch nicht. Sondern weil Seehofers Wort – und damit sein Verbleib im „zweitschönsten Amt der Welt“ – daran hing. Dafür ist der bayerische Ministerpräsident jeden Preis der Welt zu zahlen bereit. Und wenn es das gesamte politische Kapital der CSU kostet.

Nie zuvor in ihrer ruhmreichen Geschichte hat sich die stolze Strauß-Stoiber-Partei selbst so verzwergt. Mochte der Euro taumeln, die EZB die Märkte mit Geld fluten, die Bundeswehr den Offenbarungseid leisten, die SPD die Rente mit 63 durchboxen – Seehofer hatte Wichtigeres zu tun. Der bayerische Don Quichotte war voll beschäftigt mit seinem einsamen Kampf gegen Windräder, Stromleitungen und für die Maut. Sie sind jetzt die Siegtrophäen des Seehoferismus. Doch der Triumphator muss zu seinem Entsetzen erkennen, dass ihm die Parteifreunde seine Gartenzwerg-Show nicht danken, dass sie sich vielmehr nach alter Größe und neuer Führung sehnen. Wie sich Eisenspäne zu einem starken Magneten hin ausrichten, so schart sich die Partei um Seehofers ungeduldigen Kronprinzen Markus Söder. Dessen Kraftfeld wird jeden Tag stärker, während die Kräfte des Amtsinhabers schwinden. Nicht wichtige Sachfragen beschäftigen die CSU. Sondern Seehofers immer neue Spielchen, den Verfolger abzuschütteln. Etwa indem er ihn, wie jüngst auf dem Parteitag, in ein albernes Schaulaufen mit diversen Partei-Sternchen schickt.

Im Herbst seiner Regentschaft muss Seehofer selbst entscheiden, wie lange er sich und seiner CSU diesen Tort antun will. Er weiß, dass die Partei nach dem Trauma von 2007 nicht noch einmal gegen ihren Anführer putschen wird. Er sollte das aber nicht als Lizenz dafür fehldeuten, Bayerns Wählern drei klebrige Jahre des sich Festklammerns und des Stillstands zuzumuten. Den höchsten Preis hätte am Ende die um ihre absolute Mehrheit kämpfende CSU zu zahlen.

Georg Anastasiadis

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Georg.Anastasiadis@merkur.de

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