Kohnen wird SPD-Chefin

Kommentar: Gegenmodell zur CSU

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Der Prozess war mühsam, die Auseinandersetzung hart, aber das Verfahren hat für die Bayern-SPD zum richtigen Ergebnis geführt. Ein Kommentar von Til Huber.

Natascha Kohnen, Generalsekretärin der Landespartei, hat sich bei der Mitgliederbefragung um den Vorsitz mit großer Mehrheit durchgesetzt. In der derzeitigen Konstellation war das die richtige Entscheidung. Vor allem, weil es der Partei mit Kohnen endlich gelingen kann, so etwas wie ein Gegenmodell zur CSU mit ihrem Chef Horst Seehofer zu bilden.

Kohnen weckt dafür die richtigen Assoziationen: junge, aufstrebende Frau gegen nicht mehr ganz so jungen, etablierten Leitwolf. Emotion statt Abgeklärtheit. Wir-Gefühl statt Dominanzanspruch. Eine solche Kampagne richtig zu Ende gedacht, könnte der CSU bei der Landtagswahl 2018 gefährlich werden. Offiziell will sich die SPD erst nach der Bundestagswahl entscheiden. Aber zu Kohnen als Spitzenkandidatin gibt es nun kaum mehr sinnvolle Alternativen. Klar ist aber: Bisher ist alles Stückwerk. Mit Gedankenfragmenten lässt sich kein Wahlkampf machen. Frauen wählen nicht automatisch Frauen, Junge nicht automatisch Junge, wenn das inhaltliche Angebot nicht stimmt. An ihrem Profil muss die Landespartei dringend feilen. Darin liegt die größte Aufgabe bis 2018.

Will die SPD in Bayern erfolgreich sein, gibt es dafür noch eine weitere, zwingende Voraussetzung: Geschlossenheit. Auch die Lager der unterlegenen Kandidaten müssen sich jetzt hinter Kohnen sammeln. Die Scharmützel während der Mitgliederbefragung waren überflüssig und haben nur böses Blut erzeugt. Damit muss jetzt Schluss sein. Der Schulz-Hype im Bund hat sich vorerst als trügerisch erwiesen. Die Bayern-SPD muss nun aus eigener Kraft den Erfolg suchen.

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