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Georg Anastasiadis.

Meuterei gegen Berlin

Kommentar: Angela Merkel hat politisches Kapital verbraucht

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München - Angela Merkel ist nicht unschuldig daran, dass das Feindbild Berlin zum erfolgsverheißenden Geschäftsmodell sämtlicher europäischen Links- und Rechtspopulisten geworden wird, findet unser Autor Georg Anastasiadis.

In Europa fallen dieser Tage Sätze, die aufhorchen lassen. „Spanien wird nicht länger ein Anhängsel Deutschlands sein“, sagt der Madrider Wahlsieger Pablo Iglesias. Italiens Ministerpräsident Renzi fordert: „Europa muss 28 Ländern dienen, nicht nur einem.“ Noch viel schrillere Töne („moralischer Imperialismus“) werden in Osteuropa gegen Berlin angeschlagen. Wo immer derzeit in Europa abgestimmt wird, steht heimlich auch die Kanzlerin zur Wahl. Und stets werden jene abgewählt, die man verdächtigt, mit ihr im Bunde zu stehen. Wie Samaras in Griechenland, Coelho in Portugal, Frau Kopacz in Polen und Rajoy in Spanien.

Aus Berliner Sicht ist das eine sehr unerfreuliche, den eigenen Einfluss empfindlich schmälernde Entwicklung – denn schon um den Rückhalt der eigenen Wähler nicht zu verlieren, müssen Europas Führer nun beweisen, dass sie der Kanzlerin die Stirn bieten. Angela Merkel ist nicht unschuldig daran, dass das Feindbild Berlin zum erfolgsverheißenden Geschäftsmodell sämtlicher europäischen Links- und Rechtspopulisten geworden wird. Die Kanzlerin hat in Europa ihren Sparkurs durchgesetzt, im trügerischen Gefühl neu erwachter Allmacht jedoch nicht realisiert, dass sie damit auch ihr politisches Kapital verbraucht hat. Ihr Versuch, der EU auch noch die deutsche Flüchtlingspolitik aufzuzwingen, hat den Bogen überspannt und die ansonsten herzlich uneinigen Süd- und Ostländer  zu einer Achse gegen Berlin vereint. Das könnte noch für einigen Ärger sorgen.

Die gefeierte „Miss Europa“, der ein ganzer Kontinent durch dick und dünn folgt, ist damit Schnee von gestern. Die deutsche Diplomatie hat darauf zu reagieren. Keine Peitschenhiebe der Zuchtmeisterin sind gefragt. Sondern geduldiges Werben um Partner. Das muss auch Außenminister Steinmeier noch lernen, der in unguter preußischer Manier all jenen EU-Staaten Konsequenzen androht, die sich aus Furcht vor einem Erstarken der Rechten dagegen wehren, den Deutschen die Flüchtlinge abzunehmen.

Sie erreichen den Autor unter:

Georg.Anastasiadisk@merkur.de

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