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Georg Anastasiadis

Terroranschlag in Paris schockt Europa

Kommentar zu "Charlie Hebdo": Stich ins Herz des Abendlandes

Paris - Ausgerechnet Frankreich! Ausgerechnet das Land des Aufklärers Voltaire! Er war es, der uns Europäer lehrte, dass vernunftbegabte Menschen alles hinterfragen, kritisieren und karikieren dürfen – auch die Allmacht einer sich unfehlbar glaubenden Kirche oder einer Religion.

Der heimtückische Anschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ macht uns so fassungslos, weil er der denkbar fundamentalste Angriff einer dunklen Macht auf zwei unserer strahlendsten Werte ist: die Freiheit der Meinung und der Kunst. Ein Stich ins Herz des Abendlandes.

Moderne gegen Mittelalter, Aufklärung gegen Hass, Vernunft gegen religiösen Fanatismus: Dieser Krieg der Kulturen währt schon seit mehr als einer Dekade. Manche von uns glaubten ihn nach der relativen Ruhe der letzten Jahre schon gewonnen. Zumindest wähnten sie ihn zurückgeworfen in die islamische Welt, von wo aus er einst seine Blutspur legte. Ein böser Trugschluss, wie sich nun zeigt. Derselbe Ungeist, der die Schlächter des „Islamischen Staates“ beseelt, richtet heute seine Verwüstungen in den Köpfen der Taliban an, die mitten unter uns groß geworden sind, in Paris, London, Madrid und Berlin. Und er wartet begierig auf jeden neuen Vorwand – wie die Veröffentlichung islamkritischer Werke in Frankreich –, um Schneisen der Unmenschlichkeit durch unsere Metropolen zu schlagen. Allahs selbsternannte Krieger brauchen dazu keine Infrastruktur des Terrors. Kleinstkommandos wie in Boston oder Paris genügt die Saat, die Hassprediger in ihre Herzen einpflanzten.

Heute sind wir alle Franzosen. Aber das reicht nicht. So wie in Deutschland zuletzt zehntausende Bürger auf die Straßen gingen, um ihre muslimischen Mitbürger vor einem Generalverdacht zu schützen, unter den sie von Pegida gestellt wurden, so müssen die islamischen Gemeinden in unserer Mitte jetzt zeigen, dass sie in Europa angekommen sind – und nicht nur in abgeschotteten Parallelwelten mit eigenen Regeln. Sie müssen sich einmischen, sich laut und vernehmlich gegen jene stellen, die Tod und Gewalt über Unschuldige bringen. Denn die Mörder handeln, indem sie sich auf ihre Religion berufen, auf perverse Weise auch in ihrem Namen: im Namen des Islam.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter: Georg.Anastasiadis@merkur-online.de

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