Georg Anastasiadis
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Unpopuläre Maßnahmen

Kommentar: Gesundheitsminister Spahn muss in der Corona-Krise handeln

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Das Corona-Virus verbreitet sich in hohem Tempo. Andere Länder handeln entschlossener als Deutschland. Der zaudernde Gesundheitsminister Jens Spahn und die völlig abgetauchte Kanzlerin sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Noch ansteckender als das Coronavirus ist die um sich greifende Panik. Schon richtig – doch darf notwendige Besonnenheit nicht mit mangelnder Entschlossenheit im Umgang mit der Krise verwechselt werden. Dass die meisten Patienten mit leichteren Symptomen davonkommen, sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass Corona, wie sich immer deutlicher zeigt, aufgrund der hohen Infektiosität und der relativ hohen Zahl schwerer Krankheitsverläufe eben nicht nur eine „ganz normale“ Grippewelle ist. Sondern eine beispiellose globale Bedrohung.

Je konsequenter wir sie bekämpfen, desto sicherer können wir sein, die Ausbreitung des Erregers zu verlangsamen und die Epidemie unter Kontrolle zu behalten, jedenfalls in dem Sinne, dass die medizinische Versorgung in den Kliniken funktioniert, dass genügend Intensivbetten für ältere und vorgeschädigte Patienten vorhanden sind. Es geht nicht um Panikmache. Sondern um den Schutz der Schwächsten. 

War es also klug, den rheinischen Karneval nicht abzusagen?

War es also klug, den rheinischen Karneval nicht abzusagen? Die rasant steigenden Ansteckungszahlen in der deutschen Corona-Hochburg Nordrhein-Westfalen liefern die Antwort: Es wäre natürlich besser gewesen, auf Elferratssitzungen vorsorglich zu verzichten! Epidemiologen raten, alles zu unternehmen, um den Anstieg der Fallzahlen zu dämpfen. Auffällig ist schon, dass andere Länder rigidere Maßnahmen ergreifen als der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn: In Italien werden Schulen geschlossen, in Frankreich alle Großveranstaltungen verboten, in Israel Grenzen dicht gemacht und in den USA Fiebermessungen an Flughäfen angeordnet.

Zweiwöchige Schließung der Schulen wäre kein „Maßnahmenoverkill“

Gefragt ist entschlossenes Krisenmanagement – entschlossener als in den vertanen Wochen zuvor, als im Angesicht des näher rückenden Virus noch nicht mal genügend Schutzanzüge für die Ärzte beschafft wurden. Das beinhaltet auch mal unpopuläre Entscheidungen, die man gerade in Deutschland, wo die Politik besonders gefallen will, gerne scheut. Aber nur so gerät man nicht in die unangenehme Lage, der Entwicklung hinterherzulaufen.

Eine zweiwöchige Schließung der Schulen wäre kein „Maßnahmenoverkill“, wie der Lehrerverbandschef meint – sondern ein Weg, das hochdynamische Infektionsgeschehen etwas zu bremsen. Flankiert werden müssten derartige Eingriffe durch umfangreiche staatliche Hilfestellungen für Betroffene, etwa Notfallkredite für Klein- und Kleinstbetriebe, Kurzarbeiterregelungen, erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten und staatliche Nachfrageprogramme, um ein völliges „Einfrieren“ des Wirtschaftsgeschehens wie nach dem Lehman-Schock zu verhindern. Es gibt viel zu tun. Jetzt können die GroKo und ihre Kanzlerin beweisen, dass sie nicht nur noch immer im Amt sind. Sondern auch regieren.

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