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Georg Anastasiadis

Siemens knüpft Gehälter an CO2-Bilanz

Kommentar: Gretas trauriges  Klagelied ist falsch

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Leere Worte und gebrochene Versprechen wirft Greta Politikern und Konzernlenkern vor. Aber in Davos zeigt sich: Es bewegt sich was in den Unternehmen. Es gibt keinen Grund, den Notstand auszurufen und die Marktwirtschaft über Bord zu werfen. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.  

Wer das Klima retten will, muss die Marktwirtschaft überwinden. So tönt es aus der „Friday-for-Future“-Ecke und auch aus Brüssel. Um als erster Kontinent CO2-neutral zu werden, will EU-Chefin von der Leyen bis 2030 unvorstellbare 2,6 Billionen Euro aufwenden. Ihr Plan ist durchdrungen vom Glauben, nur der Staat könne das Klima retten – mit Steuern, Zöllen und einer Flut neuer Regulierungen.

Dieser Brüsseler Denkansatz ist sehr deutsch, und er ist geprägt von einem tiefen Misstrauen gegenüber der Privatwirtschaft, das gerade von den Grünen inbrünstig gepflegt wird. Gerade so, als seien Verstaatlichung und Enteignung der Schlüssel zu einer besseren Welt. Doch wer die Klimakrise meistern will, muss sich von alten Feindbildern lösen. Der Kampf ums Klima ist niemals allein mit staatlich erzwungenem Verzicht (auf Reisen, Fleisch, Lebensstandard oder was auch immer) zu gewinnen. Erst recht nicht ist er gegen den Markt zu gewinnen. Sondern nur mit ihm. Aus Davos kommen ermutigende Signale: So will Siemens die Vorstandsbezüge künftig an das Erreichen der CO2-Ziele knüpfen. Und der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock kündigt an, die Gelder seiner Anleger nur noch in nachhaltig wirtschaftende Firmen zu investieren. Schon die intensive öffentliche Debatte hat die Konzernlenker gelehrt, dass es teuer werden kann, sich dem Schutz der Umwelt zu verschließen. Das immer gleiche Klagelied der traurigen Greta, die Welt gehe unter und keiner tue was, ist ein Zerrbild der Wirklichkeit.

Klar wäre es naiv zu glauben, dass Zeigefinger und Freiwilligkeit es schon richten werden. Mehr als der Moral folgen Märkte Preissignalen. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass der Staat einen Preis für die Emission von CO2 erhebt, damit die Kosten der Luftverschmutzung sich in den Bilanzen der Betriebe abbilden und diese Technologien für bessere Produktionsverfahren entwickeln. Wer saubere Luft zu einer Ressource macht, deren Erhalt das Kapital mehrt, macht den Kapitalismus zum Verbündeten bei der Klimarettung. Wer aber umgekehrt  „Notstand“ ruft und den Klimakampf als Vehikel missbraucht, um den Markt abzuschaffen, riskiert am Ende beides: Klima und Wohlstand.

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