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Die Akropolis in Athen.

Neue Milliardenhilfen

Merkur-Kommentar zu Griechenland: "Schamloser wurde nie gelogen"

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München - "Schamloser wurde nie gelogen im Reich der Euroretter", meint Georg Anastasiadis, stellvertretender Merkur-Chefredakteur, zu neuen Milliardenhilfen für Griechenland.

Georg Anastasiadis, stellvertretender Merkur-Chefredakteur.

In Brüssel ist die Nacht der langen Messer vorbei. Und in Europa bricht der nächste Zahltag an. Diesmal wird es richtig teuer, für alle: Weitere 86 Milliarden Euro müssen die Europäer nach Griechenland überweisen – an ein Land, dessen Regierung im Gegenzug ihren politischen Bankrott erklären und ein fiskalisches Versailles akzeptieren muss. Von einer beispiellosen Demütigung schreiben Athens Zeitungen. Doch in Brüssel feiern die Eurokraten den Kompromiss als „Sieg Europas“. Schamloser wurde nie gelogen im Reich der Euroretter. Die bittere Wahrheit ist: Griechen und Europäer sind fertig miteinander. Doch zum Grexit fehlte beiden (noch) der Mut.

Man braucht keine Glaskugel, um zu wissen: Am Ende werden auch dieses Mal Retter und Gerettete um die erhoffte Gegenleistung betrogen. Europas Plan, eine marxistisch-sozialistische Regierung zur Durchführung einer neoliberalen Reformagenda zu zwingen, ist zum Scheitern verurteilt. Umgekehrt werden die geplagten Hellenen bald merken, dass ihr Leben noch härter wird. Und die Tsipras-Regierung wird keine Skrupel haben, alle Schuld auf die bösen Deutschen abzuwälzen. Das fällt ihr umso leichter, als Bundesfinanzminister Schäuble jede diplomatische Zurückhaltung im Umgang mit den Athener Demagogen abgelegt hat. Sein Grexit-Plan war es, der Merkel am Sonntag in eine viel härtere Konfrontation mit Tsipras trieb, als es der an sich konzilianten Kanzlerin lieb war.

Schäuble hat den „Grexit“ auf die europäische Tagesordnung gesetzt – und da bleibt er, so wie das gegenseitige Misstrauen. Das gilt selbst für den Fall, dass Syriza all das durchs Parlament winkt, was man bisher als Hochverrat an der Würde Griechenlands verdammte, darunter die Rückkehr der Troika und die Schaffung eines Treuhänderfonds – sprich den Verkauf von Volksvermögen zur Begleichung von Schulden. Spätestens im Oktober, wenn die Geldgeber die Umsetzung der von Athen versprochenen Maßnahmen überprüfen, wird die Bestürzung wieder groß und der Bundesfinanzminister „fassungslos“ sein. Dann geht der Zirkus wieder von vorne los, werden die Fliehkräfte Europa noch weiter auseinandertreiben.

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