+
MM-Redakteur Alexander Weber. 

Großbritannien nach dem Tory-Parteitag

Großbritannien nach dem Tory-Parteitag: Mehr als Mays Albtraum

  • schließen

Was ein Befreiungsschlag hatte werden sollen, endete im Fiasko. Merkur-Redakteur Alexander Weber kommentiert. 

Die Stärke des Beifalls der Delegierten auf dem Parteitag der britischen Konservativen für ihre Parteichefin klang nach Triumph. Doch in Wirklichkeit war es aufmunternder Applaus nach dem Albtraum, den eine mit den Tränen kämpfende Theresa May am Rednerpult gerade durchlebt hatte. Mitleid – die Höchststrafe für eine Regierungschefin.

Von Mays Rede wird statt der Worte nur eine Bilder-Trilogie in Erinnerung bleiben: Das gequälte Lächeln, als ein Komiker ihr ein Entlassungsformular auf die Bühne reichte – angeblich im Auftrag ihres Gegenspielers Boris Johnson, der in der ersten Reihe saß. Der nicht enden wollende Hustenreiz, der ihr die Stimme raubte. Und schließlich die Buchstaben des Parteitagsmottos hinter ihr, die plötzlich von der Wand fielen.

Was wie Slapstick wirkt, stürzt die Tories tief in die Krise. Großbritannien bräuchte in den stürmischen Zeiten des Brexit eine besonders starke Kapitänin. Das ist May jetzt endgültig nicht mehr. Doch was nun? Die Premierministerin stürzen oder stützen? Die einzigen Trümpfe, die May noch hat, ist zum einen die fehlende personelle Alternative innerhalb der zerstrittenen Tories. Und zum anderen die große Angst vor dem endgültigen Machtverlust im Falle einer Neuwahl. Das leckgeschlagene Schiff Britannia dümpelt weiter. Dem Abgrund eines ungeregelten Brexit entgegen. Das wäre der Albtraum für alle in Europa.

Lesen Sie hier den ausführlichen Bericht zum Thema: Nach "Alptraumrede" wächst der Druck auf Theresa May

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Umfrage nach Asylstreit: CSU würde nach Bruch mit CDU zweitstärkste Kraft
Die Asyl-Krise zwischen Angela Merkel und Horst Seehofer spitzt sich zu. Zwei Wochen hat die Kanzlerin nun Zeit, um einen Bruch abzuwenden. Alle Entwicklungen rund um …
Umfrage nach Asylstreit: CSU würde nach Bruch mit CDU zweitstärkste Kraft
Neuer Flüchtlingsrekord: 68,5 Millionen Vertriebene weltweit
Jedes Jahr sind mehr Menschen vor Krieg, Gewalt und Elend auf der Flucht. Europäer meinen oft, sie seien besonders schwer betroffen. Der Schein trügt aber, sagt der …
Neuer Flüchtlingsrekord: 68,5 Millionen Vertriebene weltweit
US-Zölle: China wirft Trump Erpressung vor und droht mit Vergeltung
Nach neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump bewegen sich China und die USA auf einen handfesten Handelskrieg zu. Peking kündigte am Dienstag Vergeltung an.
US-Zölle: China wirft Trump Erpressung vor und droht mit Vergeltung
Merkel auf der Suche nach europäischer Lösung im Asylstreit
Der Streit in der Union über Zurückweisungen an den Grenzen ist nur vertagt. Kanzlerin Merkel hat jetzt zwei Wochen Zeit, um in der EU bilaterale Asylabkommen zu …
Merkel auf der Suche nach europäischer Lösung im Asylstreit

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.