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Georg Anastasiadis, Chefredakteur des Münchner Merkur.

Kommentar

Die Grünen und die Schülerdemos: Immer wieder freitags

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Tausende Jugendliche werden in München am Freitag zur Schülerdemo für den Klimaschutz erwartet. Das Ziel ist ehrenvoll, die Aktion jedoch umstritten. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Die Ferien und der Skiurlaub sind vorbei. Ab jetzt wird wieder fürs Klima demonstriert. Allein München erwartet heute 5000 Schüler zum „Fridays for future“-Marsch. Hartnäckig widersetzen sich die jungen Leute dem Rat mancher Altvorderer, doch lieber sonntags oder nach Schulschluss auf die Straße zu gehen. Und am Freitag die Schulbank zu drücken, um die physikalischen und wirtschaftlichen Grundlagen der Energiewende und des Kohleausstiegs zu studieren. Die Umstellung der Stromversorgung ist ein komplexes Thema. Falsch angepackt – Deutschland verfügt da über einige Erfahrung – , hilft sie dem Klima wenig. Sondern kostet nur viel Geld. Und vielleicht sogar Papis Job.

Schülerdemos fürs Klima: Mit dem Segen der gesamten Staatsspitze

Und doch muss keiner Angst haben vor diesen Rebellen oder der Wiederkehr der wilden 68-er. Der zehntausendfache Verstoß gegen die Schulpflicht erfolgt ja mit dem förmlichen Segen der gesamten Staatsspitze, vom Bundespräsidenten bis zur Kanzlerin (die, so frech muss man erst mal sein, als Klima-Sünderin die Proteste gegen ihre Politik auch noch begrüßt). Und kein Ladeninhaber muss Behinderungen am verkaufsstarken Samstag fürchten. Da haben die jungen Leute Anderes zu tun, als für Greta Thunberg und die Klimarevolution durch die Stadt zu latschen.

Mehr Begeisterung für das Event als für das hehre Ziel   

Der Schutz unserer Lebensgrundlagen ist alle Anstrengung wert. Aber viel spricht eben doch dafür, dass mancher aus der Generation Flashmob sich mehr am Event als am hehren Ziel begeistert. Davon, dass die Kids sich in wachsender Zahl dem Konsumrausch verweigerten, ihre stromfressenden Handys aus der Hand legten oder sich der nächsten Fernreise mit den Eltern in den Urlaub entzögen, ist bisher wenig bekannt geworden. Umso mehr hört man dafür von den Grünen, den Cheerleadern von „Fridays for future“. So entzückt sind ihre Fraktionschefs Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckardt über den jeden Freitag wiederkehrenden Akt des zivilen Ungehorsams, dass sie schon den Friedensnobelpreis fordern. Für Greta und die Schüler. Und, seien wir ehrlich, irgendwie auch für sich selbst.

Sie erreichen den Autor unter Georg.Anastasiadis@merkur.de

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