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Hans Well ist Musiker und Kabarettist und wurde bekannt als Mitglied und Texter der "Biermösl Blosn". Heute tritt er mit seinen erwachsenen Kindern unter dem Namen „Wellbappn“ auf.

Kabarettist Hans Well über das CSU-Treffen

Gastkommentar: "In Kreuth wird der Freistaat zum Schreistaat"

München - Vom 6. bis 8. Januar traf sich die CSU-Landesgruppe in Kreuth. In unserem Gastkommentar widerspricht Musiker und Kabarettist Hans Well der oft geäußerten These, dass Kreuth "ein Weltereignis" sei.

Alle Jahre wieder begeistert ein Großereignis Bayern – nein, Deutschland, ach was – die ganze Welt, das schon Wochen vorher, flankiert von stakkatoartigen Vorschlägen alias wilden Drohungen gen Berlin seine Schatten wirft. Wenn in der staaden Zeit der Freistaat zum Schreistaat Bayern wird dräut – Wildbad Kreuth.

Bayernfolklore röhrender Platzhirsche

Diesmal überbieten sich die Akteure mit einem wahren Forderungsdurchfall zum Thema Flüchtlinge, von elektronischen Fußfesseln über Obergrenzen bis zur Klagedrohung gegen die Berliner Regierung, also gegen sich selbst. Eine Bayernfolklore röhrender Platzhirsche der volkstümlichsten Pegida-Art. Dabei ist für Flüchtlingsthemen eigentlich die CSU/CDU/SPD-Koalition in Berlin zuständig. In Wildbad Kreuth böte sich stattdessen eine gute Gelegenheit, da anzupacken, wo’s hakt im Bayernland und man Verantwortung trägt.

Marode Straßen, schmierige Kumpaneien

Anwesend ist dort immerhin ein deutscher Ausländermautminister, verantwortlich für marode Straßen und schmierige Kumpaneien mit der deutschen und bayerischen Dieselabgas-Mafia. Ein Bauernminister, zuständig für Glyphosatrückstände im Essen, Gen-Technik und das Massensterben bäuerlicher Familienbetriebe unter dem Motto „Wachsen oder Weichen“. Zudem eine Ministerin, die erklären könnte, was den Namen Bayern so mit faulen Eiern beschmutzt hat sowie die im Umweltbericht prognostizierten klimatischen Katastrophen für Bayern.

Dazu passend dann Ilse Aigners Bilanz ihrer Subventionen für Schneekanonen am Sudelfeld und den Stand einer dilettantischen Energiewende. Heimatminister Söder könnte über die Aufhebung der Anbindungspflicht für Gewerbegebiete berichten und wie diese das Gesicht Bayerns verhunzen wird.

Wie will Bayern die Obergrenze praktizieren?

Freilich, das Flüchtlingsthema ist weit bequemer und ergiebiger für den Machterhalt. Beim Thema Ausländer fühlt sich die CSU traditionell daheim. Unbestritten kann unser Land nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen. Interessant wäre aber, wie Bayern die Obergrenze praktizieren will. Indem man Menschen, die sich auf der Balkanroute durchgeschlagen haben, zurückschickt in den möglichen Tod? Wie wäre das mit der Lehre des Namensgebers der CSU vereinbar, Menschen in Not zu helfen.

Mein frommer Wunsch für Kreuth: Vernunft statt Polemik. Eine konkrete Möglichkeit, Obergrenzen einzuhalten, wäre, die Versorgung der Millionen Menschen in den Flüchtlingslagern um Syrien, die vom UNHCR mangels Geldgebern nicht mehr gewährleistet werden kann. Auch unseren Beitrag für Fluchtgründe könnte man hinterfragen: Waffenexporte, EU-Nahrungsschwemmen zu Dumpingpreisen, das Leerfischen von Küstenstreifen und nicht zuletzt unsere Beteiligung am Klimawandel. Wer weiterhin Braunkohle verstromt und SUV Spritmonster fährt, entwurzelt Menschen.

Um Migrationsbewegungen ganz anderer Dimensionen zu vermeiden, sollte Seehofer seine ganze Energie einbringen, in Bayern und Europa eine Energiewende zu forcieren statt zu verhindern. Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben als ihr Leben hält keine Grenze auf.

In Kreuth ist auch Entwicklungsminister Gerd Müller dabei, der sich gegen Obergrenzen ausspricht. Auf seinen Dienstreisen sieht er, warum verzweifelte Menschen das Risiko der Flucht eingehen. Weil auch andere Eltern ihre Kinder so lieben wie wir die unseren. Ich fürchte aber, man fragt ihn nicht. Warum? Weil es davon ablenken würde, dass die Klausur mitten im Fasching liegt. Am besten denkt man sich zwischen den Sätzen vom Seehofer immer: Tata – tata. Das passt!

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