Kommentar

Hauptsache schrill: Seehofers Attacke auf Söder erschüttert CSU

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Nach einigen Eklats der CSU ist Chef Horst Seehofer immer noch selbst für die schrillsten Töne zuständig. Ein Kommentar vom Georg Anastasiadis.

Vor ihren Parteitagen läuft die CSU immer zu großer Form auf. Wenn’s die Aufmerksamkeit steigert, sind ihr dann selbst Dobrindts „schrille Minderheiten“ herzlich willkommen. Wie das „schwule Netzwerk“, das sich an diesem Wochenende in der Strauß-Stoiber-Partei gründet.

Es geht aber noch schriller. Viel schriller. Und für die schrillsten Töne ist in der CSU noch immer der Chef persönlich zuständig: Horst Seehofers Frontalangriff auf den Erzrivalen Markus Söder zwei Tage vor dem Parteitag ist von solcher Wucht, dass selbst der heutige Gastauftritt der Kanzlerin bei der streitbaren Unionsschwester zur Nebensache gerät. Kritik an Angela Merkels Flüchtlingspolitik darf die CSU auf Geheiß ihres Chefs plötzlich nicht mehr üben. Stattdessen hat die konsternierte Partei jetzt eine Denksportaufgabe zu lösen. Was war dämlicher: Söders übereilter Versuch, den Terror von Paris für die Flüchtlingsdebatte zu instrumentalisieren? Oder Seehofers Versuch, Söders Vorpreschen zu instrumentalisieren, um seinen ungeliebten Finanzminister (nun schon zum zweiten Mal) öffentlich fertigzumachen?

Die Wahrheit liegt, um den CSU-Chef zu zitieren, in der Wahlurne. Und darauf muss die Partei diesmal nicht mal bis zur Landtagswahl 2018 warten. Sowohl der Parteichef Seehofer als auch das Vorstandsmitglied Söder müssen sich, jeder in seinem Amt, am Samstag dem Votum der CSU-Basis stellen. Und viel spricht im Moment dafür, dass das einfache Parteivolk in der Sache viel näher bei Söder als bei Seehofer ist. Dessen brachialer und angesichts der eigenen Stärke eigentlich völlig überflüssige Versuch, den Herausforderer vor aller Augen zu exekutieren, könnte sich am Ende gegen ihn selbst wenden. Dann nämlich, wenn es auf dem Parteitag in München zu einer Solidarisierung mit dem Stimmzettel kommt. Geht Söder gestärkt aus dem Kräftemessen mit Seehofer hervor, wird ihn nichts und niemand mehr davon abhalten, die Machtfrage in der CSU zu stellen – und das deutlich vor dem regulären Ablauf der Ära Seehofer im Herbst 2018.

Georg Anastasiadis

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