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Kommentator Lorenz von Stackelberg.

Kommentar

Pflicht-Testfahrten für Senioren? Eine heikle Debatte

Insgesamt verunglücken Senioren seltener im Straßenverkehr als Jüngere. Und trotzdem wird darüber debattiert, ob Ältere noch mal zur Fahrprüfung antreten sollten. Ein Kommentar. 

Augen- und Reaktionstests, Fitnessnachweise, befristeter Führerschein oder Pflicht-Testfahrten: Die Fantasie der Fachleute ist unerschöpflich, wenn es um die Gefahr geht, die Ältere angeblich für den Straßenverkehr bedeuten. Sicher, auch Senioren verursachen schwere Unfälle, und mitunter ist die nachlassende Physis schuld. Tödliche Geisterfahrten etwa erhitzen regelmäßig die Gemüter, aber sie sind statistisch vergleichsweise selten. Insgesamt verunglücken Senioren jedenfalls nicht öfter, sondern seltener als Jüngere. Und wenn es mal kracht, geht es meist eher glimpflich ab. Ältere mögen Jüngeren gegenüber körperlich im Nachteil sein; sie kompensieren das Handicap aber durch Erfahrung, Umsicht und Routine. Risikobereitschaft oder Imponiergehabe haben sie nicht nötig. Im Übrigen sind die allermeisten Senioren heutzutage lange fit.

Wer vor diesem Hintergrund eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal zum Befähigungsnachweis verdonnern wollte (wer glaubt schon, dass er Privatsache bleibt) , würde an den Unfallstatistiken kaum etwas ändern, aber ein gewaltiges Arbeitsbeschaffungsprogramm für Bürokraten, Ärzte und Verkehrspsychologen in Gang setzen. Hand aufs Herz: Würden Sie sich treuherzig und unvorbereitet in die Hände von Gutachtern begeben, wenn es um nichts Geringeres geht als um die Eintrittskarte in die mobile Welt? Für die meisten Älteren, insbesondere, wenn sie auf dem Lande wohnen, stünde mit dem Führerschein schließlich nicht irgendein verzichtbarer Zeitvertreib auf dem Spiel, sondern ein zentrales Stück Lebensqualität. Grund genug, die heikle Debatte mit Augenmaß zu führen.

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