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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Machtkampf immer gnadenloser

Kommentar: Finale furioso in der CSU

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Die Messer sind gewetzt, die Umfragewerte im freien Fall: Die CSU zerlegt sich wie selten zuvor in ihrer ruhmreichen Geschichte. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

München - Die CSU nimmt Fahrt auf – in ihrem Schweinsgalopp in den demoskopischen Keller. Gerade noch 37 Prozent der Bayern würden sie derzeit wählen. Und weil auch das ihrem Anspruch noch nicht gerecht wird, überall die Erste, Beste, Schnellste zu sein, schickt sie ihre Spitzenleute Markus Söder und Joachim Herrmann am kommenden Montag auch noch in eine Kampfkandidatur um – ja was eigentlich? Das Vorrecht, am Abend der verlorenen Landtagswahl 2018 als erster zurücktreten zu dürfen?

Die an Höhepunkten nicht arme Ära Seehofer endet, wenn es so kommt wie am Montag von fünf Führungskräften in der Staatskanzlei konspirativ verabredet, nicht in der vom Parteichef versprochenen Einigung in „Harmonie“. Sondern in einem schrillen finale furioso. Unversöhnlich, ja feindselig wie kaum je in ihrer 72-jährigen Geschichte stehen sich die Lager gegenüber. Liberale stehen gegen Konservative, Brüsseler gegen Münchner. Seehofers Kungelrunde – und ihr kompromittierendes Auffliegen – hat tiefes Misstrauen zwischen den Führungskräften gesät. All das ist die tonnenschwere Erblast, die auf sich nehmen muss, wer immer den Kampf um die Macht in der bayerischen Staatspartei a. D. für sich entscheidet.

Ohne Frage: Joachim Herrmann ist ein respektabler Kandidat, ein Mann ohne Fehl und Tadel, moderat und ausgleichend, den sie in der Partei wegen seines friedvollen Gemüts „Balu“ nennen. Aber wahr ist auch: Groß gemacht haben die CSU durchsetzungsstarke, wenn nötig brutale Kämpfernaturen wie Strauß, Stoiber und Seehofer. Bei allem Wohlwollen trifft diese Beschreibung nicht auf Herrmann zu, sondern auf Söder. Im Guten, aber auch im Schlechten. Dass sie diesen Söder in der CSU nur mit Geheimabsprachen in irgendwelchen Hinterzimmern stoppen zu können glauben, spricht nicht für die Stärke der Bewerbung Herrmanns. Er hängt, böse ausgedrückt, an Seehofers Strippen. Und er soll diesen an der Macht halten, über den Wechsel von München nach Berlin hinaus.

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