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„Prinz Harmlos“ im zartbraunen Gewand

Kommentar zu Höcke: Abgang eines Petry-Konkurrenten

München - Nach dem verbalen Selbstmord von Björn Höcke können die anderen Parteien eigentlich nur eines sein: Dankbar, meint unser Autor. Denn die AfD steht erneut vor einem Schisma.

Mit seinen frisch-fröhlich vorgetragenen Rassen-Zynismen ist Björn Höcke offenbar Teilen der AfD-Führung so unheimlich geworden, dass diese den Thüringer Pseudo-Anthropologen am liebsten loswerden möchte. Und der Rest des deutschen Politikbetriebs, der den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der irrlichternden Partei beunruhigt beäugt, hat allen Grund, Höcke für seinen verbalen Selbstmord dankbar zu sein: Nach dem Lucke-Schisma kündigt sich jetzt nämlich der zweite große Aderlass an.

Denn Höcke ist kein randständiger Dampfplauderer. Er ist smart, gebildet und spielt versiert auf der rhetorischen Klaviatur eines gestandenen Politprofis. Wenn er mit dunkelblondem Charme eine „multikulturelle Revolution von oben“ ausmacht und lächelnd orakelt, „Deutschland in seiner jetzigen Form“ solle „abgeschafft“ werden, dann muss man sich mitunter geistig in den Arm kneifen, um die Diskrepanz zwischen Vortrag und Inhalt zu ermessen.

Höckes gefährliches Talent, nicht dumpfig rüberzukommen, sondern als eine Art „Prinz Harmlos“ im zartbraunen Gewand, macht ihn zum perfekten Bindeglied zwischen Nationalkonservativen, wütenden Pegida-Bürgern und Sympathisanten der NPD. Gut möglich, dass er längst zur heimlichen Identifiktionsfigur der AfD avanciert ist. Sein Abgang könnte Parteichefin Petry von einem gefährlichen Rivalen befreien – aber auch von großen Teilen der potenziellen Wählerschaft.

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