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Georg Anastasiadis

Kramp-Karrenbauer 100 Tage CDU-Chefin

Kommentar: Im Schatten der Kanzlerin

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Gerade mal 100 Tage ist Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Chefin, da verlieren viele Bürger schon das Zutrauen in sie. Sie muss schneller als gedacht aus dem Schatten der Übermutter Merkel treten, sonst verstolpert sie den Neustart. Ein Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. 

Annegret Kramp-Karrenbauer hat in ihren ersten hundert Tagen  als CDU-Chefin sehr  viel richtig gemacht und wenig falsch: Sie hat innenpolitisch dem tief enttäuschten Merz-Flügel in der Asylpolitik ein Versöhnungsangebot gemacht und redet beim Thema Zurückweisungen an der Grenze mehr wie Seehofer  als Merkel. Sie hat außenpolitisch  in ihrer Antwort auf Macron tapfer klassische Unionspositionen verteidigt: kein europäischer Superstaat, keine Schuldenunion. Trotzdem sinkt die Zahl der Bundesbürger, die der Kanzlerin im Wartestand die Eignung für das wichtigste Amt im Staat zutrauen.

Das ist kein Wunder: Der Zauber, der jedem Anfang innewohnt, verfliegt mit jedem Tag, an dem Kramp-Karrenbauer die Vorgängerin im Kanzleramt weitermerkeln lässt. Für die klein gewachsene Saarländerin muss die Vorstellung ein Albtraum sein, noch drei Jahre im Schatten der überlebensgroßen Angela Merkel politische Trockenübungen zu absolvieren – und sich dann den Wählern als der große Neuanfang zu verkaufen.

Die 56-Jährige hat noch ein zweites Problem: Sie ist die Vorsitzende zweier Parteien, die sich misstrauisch belauern. Da ist die Merkel-CDU, die ihre Ikone abgöttisch bewundert. Und da ist die Merkel-muss-weg-CDU, die die Tage zählt, bis die ihr verhasste Kanzlerin das Feld räumt. Sich ohne die Gestaltungsmacht einer Regierenden zwischen diesen beiden Parteien zu behaupten, und das jahrelang, verlangt einen Spagat, den auch die biegsamste CDU-Chefin nicht hinkriegt, ohne selbst schlecht auszusehen dabei. Deswegen muss Kramp-Karrenbauer hoffen: auf Merkels Einsehen, darauf, dass die Alte, was ihr zuzutrauen ist, ihr Amt vor der Zeit räumt. Oder darauf, dass die erschöpfte SPD jenen Schlussstrich für die ausgebrannte Groko zieht, auf den in Wahrheit das ganze Land sehnsüchtig wartet.

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