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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis

Österreichs Vizekanzler wirft hin

Kommentar: Jetzt kommt Kurz

Österreichs GroKo ist nach dem Rücktritt des ÖVP-Vizekanzlers am Ende.  Der große Sieger vorgezogener Neuwahlen könnte der junge Außenminister Sebastian Kurz von der Volkspartei sein.  Oder kommt doch Rot-Blau, die Koalition von SPÖ und den rechten Freiheitlichen? Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Gegen die Wiener Große Koalition ist ein Hühnerhaufen eine geordnete Formation. Seit die rechts-konservative FPÖ die gemeinsam regierenden Volksparteien SPÖ und ÖVP vor sich hertreibt, fliegen die Federn. Die Österreicher haben sich mit stoischer Gelassenheit daran gewöhnt, dass der nervös dauerwahlkämpfende SPÖ-Kanzler Christian Kern mit seiner „Österreicher-zuerst“-Kampagne die FPÖ rechts überholt – und die ÖVP sich dafür revanchiert, indem sie den von ihr selbst mitgewählten Regierungschef im Gegenzug „Versagen“ attestiert. Eine Koalition am Rand des permanenten Nervenzusammenbruchs.

Mit dem Rücktritt von Vizekanzler und ÖVP-Chef Mitterlehner, der über den Zustand der Regierung genauso frustriert war wie über die Querschüsse gegen ihn aus seiner Partei, ist die Zeit des Durchwurstelns auf Balkan-Art vorbei. Die ÖVP ist eine schrecklich altmodische Verbands-Proporz-Partei. Ihr junger Außenminister Sebastian Kurz muss nun springen – und zeigen, ob er mit seiner enormen Popularität die Volkspartei, die derzeit nur noch die drittstärkste Kraft im Lande ist, von Grund auf umkrempeln und so stark machen kann, dass an ihrem Anspruch, den Kanzler zu stellen, kein Weg vorbeiführt. Springt Kurz zu kurz, könnte in Österreich bald eine sozial-nationale Koalition aus SPÖ und FPÖ regieren, die sich aus denselben ideellen Quellen speist wie die Trump-Revolution in den USA, der Orbanismus in Ungarn oder die Fünf-Sterne-Bewegung des Italieners Beppe Grillo.

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