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Der Münchner Bürgermeister Josef Schmid (CSU) wechselt in den Landtag.

Von Merkur-Politikchef Mike Schier

Kommentar: Josef Schmids Wechsel in den Landtag ist „Flucht nach vorn“

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Der Münchner Bürgermeister Josef Schmid (CSU) wechselt in den Landtag: „Flucht nach vorn“ meint Merkur-Politikchef Mike Schier in seinem Kommentar.

Es ist nicht so, dass sie im Maximilianeum sehnlichst auf den Münchner Bürgermeister Josef Schmid gewartet hätten. Quereinsteiger, die sich zu Höherem berufen fühlen, haben beim einfachen CSU-Landtagsabgeordneten, der sich selbstverständlich auch zu Höherem berufen fühlt, naturgemäß einen schweren Stand. Insofern wird die Landtagskarriere für Schmid – sofern er sein Mandat gewinnt – kein Selbstläufer. Doch der Wechsel bietet für den 48-Jährigen mittelfristig immer noch mehr Chancen als eine neuerliche Oberbürgermeister-Kandidatur in München, die gegen Amtsinhaber Dieter Reiter vermutlich ein recht aussichtsloses Unterfangen geworden wäre.

Das kann Josef Schmid der Landtags-CSU zu bieten

Für die CSU im Landtag hat Schmid einiges zu bieten: Großstadt-Kompetenz muss man dort bislang mit der Lupe suchen, eloquente Repräsentanten eines liberalen Konservatismus auch. Es mag nicht in die aktuelle Diskussion über die „rechte Flanke“ der CSU in Richtung AfD passen: Aber die CSU hat im bürgerlichen Lager auch viele Wähler an die FDP verloren. Als Volkspartei muss sie sich an beiden Baustellen hinterfragen. Einer wie Schmid kann dabei helfen, zumal er als Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef gleich noch wirtschaftspolitische Kompetenz mitbringt. Durch das Ausscheiden eines Erwin Huber, derzeit noch Ausschuss-Vorsitzender im Landtag, dürfte 2018 zusätzlicher Bedarf entstehen.

Das Problem: Mit Schmid gibt es nun vier Kandidaten, die sich um die zwei Münchner Plätze im Kabinett balgen. Neben dem prominenten Quereinsteiger steht auch Markus Blume, bislang mit dem Pöstchen des Vize-Generals vertröstet, für ein Zukunftsthema, bei dem die CSU Nachholbedarf hat: Digitalisierung. Das erhöht den Druck auf die Bildungspolitiker Ludwig Spaenle und Georg Eisenreich. Schon heute ist klar: Die nächste Kabinettsumbildung – welcher Ministerpräsident sie auch vornehmen wird – dürfte für viel Ärger in München sorgen.

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Mike.Schier@merkur.de

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